Bielefelder Präventionspreis für Dr. Norbert Jorch
06.02.2012
Kategorie: Nachrichten

Bielefelder Präventionspreis für Dr. med. Norbert Jorch (2. v. r.). Es gratulieren (v. l.) Professor Holger Ziegler (Fakultät für Erziehungswissenschaften, Universität Bielefeld/SKPR) für den SKPR, Oberbürgermeister Pit Clausen und der Bielefelder Polizeipräsident Erwin Südfeld ebenfalls im Namen des SKPR.
Dr. med. Norbert Jorch, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Ev. Krankenhauses Bielefeld (EvKB), wurde der „Bielefelder Präventionspreis 2011“ verliehen. Die Auszeichnung des Sozial- und Kriminalpräventiven Rats (SKPR) der Stadt Bielefeld ehrt seinen Einsatz im Kampf gegen den zunehmenden Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen. Der Preis wurde zuletzt 2008 verliehen und ist mit 500 Euro dotiert.
„Sein Engagement geht weit über das normale Maß hinaus“, betonte Oberbürgermeister Pit Clausen in seiner Rede anlässlich der Preisverleihung, die im Bielefelder Rathaus stattfand. „Dr. Norbert Jorch hat die Initiative gegen den Alkoholmissbrauch seit drei Jahren systematisch, fachlich und zielstrebig vorangetrieben“, ehrte er den verdienten Kinderarzt und Kinderonkologen weiter.
„Die Einweisung von Kindern und Jugendlichen in unserer Klinik hat in den letzten Jahren zugenommen. Die stationäre Ausnüchterung fasst das Problem nicht an den Wurzeln an. Vorbeugung ist hier das Schlüsselwort“, beschreibt Jorch den Ansatz seines Präventionsprojekts. Durch eine genaue Dokumentation kann er heute sagen, dass in Bielefeld jährlich 100 Kinder mit einem Alkoholwert mit durchschnittlich über zwei Promille in die Bielefelder Krankenhäuser eingeliefert werden. Das Alter der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung – im Fachjargon Alkoholintoxikation genannt – stationär aufgenommen werden, liegt laut Erhebung zwischen 11 und 19 Jahren. Die 14- bis 17-Jährigen machen dabei den größten Anteil aus. Weitere Daten geben Hinweise auf das Risiko, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Für diese Analyse waren Art und Häufigkeit des Konsums, familiäre Suchtprobleme oder auch das Einstiegsalter ausschlaggebend.
Die Analyse der Zahlen, Daten und Fakten sprachen für sich: Jorch, sein Team und die Fachstelle für Suchtvorbeugung der Drogenberatung e.V. Bielefeld entwickelten für die Stadt ein nachhaltiges Beratungsangebot, angelehnt an das bundesweite Präventionsprojekt „Halt“ (Hart am Limit). Kooperationspartner ist dabei die Bielefelder Fachstelle für Suchtvorbeugung. Das Programm beinhaltet neben der Verbindung stationärer Behandlung und anschließender Einzelberatung auch Gruppengespräche und Elternsprechstunden. Die Fachstelle für Suchtvorbeugung Bielefeld kommt zu einem ersten Beratungsangebot für die Jugendlichen und ihre Eltern noch während des stationären Aufenthalts mehrmals wöchentlich in die Klinik. „Durch dieses fest installierte Angebot gelingt es uns mittlerweile, 50 Prozent der Eltern und 90 Prozent der Jugendlichen zu erreichen und zu betreuen“, sagt Saskia van Oosterum von der Drogenberatung. Nicht ohne das Dazutun von Dr. Norbert Jorch: „Wir haben es den Jugendlichen und ihren Eltern eindrücklich nahe gebracht, das Angebot der Beratungsstelle wahrzunehmen.“
Der Arzt ist von dieser Struktur überzeugt: „Die Verzahnung eröffnet neben der akutmedizinischen Behandlung auch die Einleitung weiterführender sozialpädagogischer und therapeutischer Interventionen“. Einige der Jugendlichen tränken aus Neugier, andere seien Rauschtrinker und manche Kummertrinker, so Jorch. „Diese Jugendlichen brauchen eine spezielle psychosomatische Behandlung.“ Für Bielefelder Komakids geht deshalb kein Weg an dem Programm „HALT“ vorbei: Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Bethel gilt für die Rettungsdienste und die Polizei mittlerweile als Hauptanlaufstelle bei allen stationären Einlieferungen von Kindern und Jugendlichen mit einer Alkoholvergiftung.
Dr. Norbert Jorch ruht sich nach der Preisverleihung nicht auf seiner Auszeichnung aus. Für ihn geht die Initiative gegen den zunehmenden Alkoholmissbrauch bei Minderjährigen weiter: Durch seine Initiativprojekt wurde die Stadt Bielefeld zusammen mit drei weiteren deutschen Städten ausgewählt für die „RISCA“-Studie: Mit der Erhebung der Risiko- und Schutzfaktoren bei Alkoholvergiftungen im Kinder- und Jugendalter (RISCA) wird nun überprüft, ob das Bielefelder Präventionsprojekt bei den Betroffenen zu einer Reduzierung des Alkoholkonsums geführt hat.
Weitere Informationen zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

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