Schüler ziehen Erkenntnisse aus Besuch der Psychiatrie in Bethel
03.02.2012
Kategorie: Nachrichten

Vier Tage lang besuchte ein Pädagogik-Leistungskurs der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bethel.
„Wir wollten, dass die Schüler eigene Erkenntnisse zum Thema Menschenbild gewinnen“, erklärt Marita Kappler, Lehrerin an der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh, das soeben abgeschlossene Begegnungsprojekt. Ihr Pädagogik-Leistungskurs der 13. Klasse besuchte Mitte Januar für vier Tage die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB).
„Damit sich die Schüler durch den Kontakt mit psychisch kranken Menschen ihres eigenen Menschenbilds bewusst werden, war es uns besonders wichtig, dass wir den Patienten auf Augenhöhe begegnen konnten, und nicht den berühmten ‚Zoo-Effekt’ erleben“, sagt die Lehrerin. Die 11 Schülerinnen und ein Schüler im Alter zwischen 18 und 20 Jahren wurden zunächst theoretisch durch Pflegeexpertinnen der Klinik an das Thema Psychiatrie herangeführt und anschließend mit Patienten in unterschiedlichen Abteilungen in Kontakt gebracht.
Zum ersten Mal fand dieses Projekt der Schule in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bethel statt. „Es war ein Experiment, Menschen ohne lange Ausbildung mit den Patienten in Kontakt zu bringen. Aber es hat hervorragend geklappt“, sagt Petra Krause, die in der Klinik die Pflege in einer der beiden Abteilungen für Allgemeine Psychiatrie leitet und die Schüler über die Tage begleitet hat. „Besonders bemerkenswert war, wie offen sich die Schüler auf das Projekt eingelassen haben.“
Für Schülerin Yasemin war dies nicht selbstverständlich: „Ich war vorher sehr aufgeregt, wusste nicht, was ich anziehen sollte und wie man mit den Patienten spricht. Wir wurden aber vom Pflegepersonal und auch von den meisten Patienten sehr freundlich aufgenommen. Bei der ersten Begegnung mit den Patienten habe ich gar nicht gemerkt, dass diese Menschen krank sind.“ Ihre Mitschülerin Lena resümiert: „Ich habe die Psychiatrie hier ganz anders kennengelernt, als sie zum Beispiel im Fernsehen dargestellt wird. Es ist eigentlich eine lebensfrohe Einrichtung.“
Einzelne Situationen aus der Psychiatrie werden den Schülern im Gedächtnis bleiben: „Ich hatte noch nie gesehen, dass Patienten wild gestikulieren und schreien. Dieser Einblick war interessant und befremdlich zugleich“, findet Mara. Anna nimmt ein anderes Erlebnis mit nach Hause: „Auf der Station für Abhängigkeitserkrankungen haben wir einen Mann kennengelernt, der aussah wie 35. Doch in Wahrheit war er erst 24. Seine Alkoholsucht hat außerdem dazu geführt, dass er heute im Rollstuhl sitzen muss.“
Die Rückmeldungen der Schüler zum Begegnungsprojekt waren überwältigend positiv. Lehrerin Marita Kappler würde die Erlebnisse dieser Woche gerne in die Abiturprüfung einfließen lassen, die sie den Kurs in knapp zwei Monaten im Fach Pädagogik schreiben lässt. „Beim Zentralabitur ist das jedoch leider nicht möglich“, sagt sie. Petra Krause und ihre Kolleginnen mussten über die vier Tage immer mehr Fragen zu ihrem Werdegang beantworten – bei einigen hat die Begegnung mit den psychisch Kranken das Interesse geweckt, sich auch beruflich in diese Richtung zu orientieren.

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