Entfernung der Thymusdrüse (Thymektomie)

Computertomogramm zeigt einen Thymustumor (Pfeil).
Computertomogramm zeigt einen Thymustumor (Pfeil).
Computertomogramm zeigt einen Thymustumor (Pfeil).
Computertomogramm zeigt einen Thymustumor (Pfeil).

Thymektomie bedeutet chirurgische Entfernung der Thymusdrüse. Die Operation des Thymus kann in unserer Klinik für Thoraxchirurgie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) über verschiedene Zugangswege erfolgen und richtet sich nach Tumorausdehnung und -größe. Der am häufigsten erforderliche Zugangsweg ist die Eröffnung des Brustbeins (Sternotomie). Aufgrund der guten Sicht und der Möglichkeit, alles Gewebe inklusive Lymphknoten zu entfernen (Radikalität), die so genannte mediane Sternotomie als Standard-Zugang empfohlen werden, eine längsseitige Durchtrennung des Brustbeins mit Eröffnung des Mediastinums. In Einzelfällen ist auch die seitliche Eröffnung des Brustkorbs (laterale Thorakotomie) sowie bei sehr kleinen Thymomen (mit weniger als vier Zentimetern im Durchmesser) eine minimal-invasive Entfernung der Thymusdrüse in Schlüssellochtechnik (videoassistierte Operation) eine etablierte Methode. Die weitere Behandlung ist von der Erkrankungsart abhängig, wie zum Beispiel Myasthenia Gravis, Thymom, Thymuskarzinom, Lymphom, et cetera.

Allgemeines

Thymome sind Tumoren des Thymus (Thymusdrüse). In 75 Prozent der Fälle sind sie gutartig. Ein Viertel der Thymome sind bösartig, sie werden je nach Aussehen und Differenzierungsgrad der erkrankten Zellen und ihrer Neigung zur Ausbreitung in maligne Thymome und Thymuskarzinome unterteilt. Wie gutartige Thymome entstehen auch bösartige Thymome an der Oberfläche der Thymusdrüse. Während sich jedoch die Thymuszellen bei gutartigen Thymomen langsam vermehren und sich nicht außerhalb des Organs ansiedeln, wachsen die Zellen bösartiger Thymome schnell und dringen in umliegendes Gewebe ein. Die Zellen maligner Thymome breiten sich bevorzugt in den Lymphwegen innerhalb des Brustraums aus. Die Zellen von Thymuskarzinomen hingegen siedeln sich auch in entfernt liegenden Organen an und bilden dort Tochtergeschwülste (Metastasen).

Häufigkeit

Thymome sind selten. Bösartige Thymome machen etwa 0,2 bis 1,5 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 0.2 bis 0.4 Einwohner von 100.000. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Thymome können in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten treten sie zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf.

Klassifikation

Die Klassifikationssysteme beziehen entweder das feingewebliche Zellbild (Histologie) des Tumors ein oder berücksichtigen den Ausbreitungsgrad im Mediastinum und das Vorhandensein von Absiedlungen (Tochtergeschwüre) bzw. von Lymphknotenmetastasen. Es werden hauptsächlich drei Klassifikationen angewendet; einerseits das WHO-System, andererseits die Masaoka-Klassifikation oder die GETT Klassifikation (Group d'Etude des Tumoeurs Thymiques). Die Einteilung der Tumore nach der Weltgesundheitsorganisations-Klassifikation (WHO) nach verschiedenen Zelltypen (histologische Klassifikation) ist aufgrund der fehlenden klinischen Wichtigkeit von untergeordneter Bedeutung. In der klinischen Praxis hat sich aufgrund der guten Einschätzung des zu erwartenden Verlaufs sowie der Überlebenschancen des Patienten die seit 1981 bekannter Masaoka-Klassifikation bewährt. Die Masaoka-Klassifikation ist eine klinische Einteilung der Thymome in vier Stadien, wobei Stadium I das Stadium mit der besten Prognose und Stadium IV das mit der schlechtesten Prognose darstellt. Eine genaue Übersicht über die einzelnen Stadien gibt die folgende Tabelle: 

Masaoka-Klassifikation bei Thymomen

Stadium Tumorausdehnung
I vollständig umkapselter Tumor
II Tumor durchbricht die Kapsel mit Einbruch in das umgebende Fettgewebe bis zum Brustfell
III Tumor durchbricht das Brustfell oder den Herzbeutel oder bricht in benachbarte Organe (Lunge, große Gefäße) ein
IVa Pleurale oder Perikardiale Metastasen
IVb Fernmetastasen (Lymphogene oder Hämatogene Metastasen)