Beckenchirurgie

Das Becken leitet die Kräfte aus beiden Beinen über die Hüftgelenke in das Kreuzbein und die Wirbelsäule. Dabei treten schon bei normalen alltäglichen Bewegungen Kräfte auf, die dem dreifachen des Körpergewichts entsprechen, die das gesunde Becken jedoch mühelos überträgt. Um im jungen und mittleren Alter eine Verletzung des Beckens zu verursachen, sind dementsprechend große Krafteinwirkungen als Folge eines schweren Unfalls notwendig. Durch die schwächer werdende Knochenstruktur bei älteren Menschen gibt es jedoch zunehmend auch Beckenbrüche nach einfachen Stürzen oder sogar spontane Brüche des Beckens. Durch die größer werdende Anzahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft nimmt die Anzahl dieser Fälle zu.

Unser Ziel bei der Behandlung von Beckenbrüchen ist eine möglichst bald erfolgende Mobilisation. Dabei müssen nicht alle Brüche am Becken operativ behandelt werden. Unsere Grundlage dabei ist eine vollständige Analyse der Verletzung, die neben der direkten Untersuchung des Patienten insbesondere auf computertomografische Röntgenbildanalysen bis hin zur dreidimensionalen Darstellung zurückgreift.

Die Verletzungen im Bereich des Beckens werden unterteilt in Beckenringverletzungen und Brüche der Hüftgelenkpfanne (Acetabulum).

Instabile Beckenringverletzung Typ C transiliacal, computertomografische Aufnahme (CT)
Instabile Beckenringverletzung Typ C transiliacal, computertomografische Aufnahme (CT)
Instabile Beckenringverletzung Typ C transiliacal, Röntgenaufnahme
Instabile Beckenringverletzung Typ C transiliacal, Röntgenaufnahme

Hüftpfannenbrüche - Acetabulumfrakturen

Verrenkungsverletzung des hinteren Hüftgelenks – Bruch der hinteren Wand. (Röntgenaufnahme)

Verrenkungsverletzung des hinteren Hüftgelenks – Bruch der hinteren Wand. (Computertomografische Aufnahme (CT))

Einrichtung des Gelenks und Fixation mittels Platte (Röntgenaufnahme)
Verrenkungsverletzung des hinteren Hüftgelenks – Bruch der hinteren Wand. Einrichtung des Gelenks und Fixation mittels Platte (oben und unten: Röntgenaufnahme, Mitte: CT-Aufnahme)
Zweipfeilerverletzung des Acetabulums
Zweipfeilerverletzung des Acetabulums

Bei den Hüftpfannenbrüchen (Acetabulumfraktur) kann die entscheidende Frage nach Stabilität und Gelenkstufenbildung (Verschiebung der Bruchstücke gegeneinander mit dadurch nicht mehr glatter Gelenkfläche) meist nur über die computertomografische Röntgenuntersuchung beantwortet werden (Brucheinteilung nach Letournel). Im Hinblick auf eine Verschleißentwicklung verträgt das bei jedem Schritt belastete Kugelgelenk der Hüfte dabei im weiteren Verlauf so gut wie keine Stufenbildung. Wenn möglich ist es daher unser Ziel, die Hüftgelenkpfanne glatt und stabil wiederherzustellen.
Die dazu notwendige Operation ist aufwendig. Dabei werden von uns sowohl Operationen über einen vorderen (ileoinguinal - Letournelzugang) als auch einen hinteren Weg (Kocher – Langenbeckzugang) je nach Verletzungsmuster gewählt.
 
In der Nachbehandlung ist in den meisten Fällen eine Teilbelastung des Beins mit 20 Kilogramm wie auch eine Thromboseprophylaxe über einen Zeitraum von zirka vier Wochen angeraten. Nachkontrollen im Hinblick auf die Heilung und die eventuelle Verschleißentwicklung sind dabei notwendig.
Bei alten und sehr alten Menschen ist der Einsatz eines künstlichen Gelenks manchmal die bessere Alternative, um das Ziel einer eigenständigen Mobilität zu erhalten.

Beckenringverletzungen

Funktionelle Anatomie des Beckenrings
Funktionelle Anatomie des Beckenrings
Darstellung des hinteren Beckenringsegments
Hinteres Beckenringsegment

Die Verletzungen des Beckenrings führen zu einer Unterbrechung der Lastübertragung aus den Beinen in die Wirbelsäule. Sie lassen das Hüftgelenk unberührt.

Beckenringverletzungen werden eingeteilt in

  • randständige Verletzungen (Typ A)
  • teilinstabile Verletzungen (Typ B)
  • vollständig instabile Verletzungen (Typ C).

Liegt eine stabile Verletzung vor kann der Patient mit Hilfsmitteln wie Gehstützen oder einem Rollator mobilisiert werden. Eine wesentliche Verschiebung ist dabei nicht zu erwarten. Die teilstabilen und vollständig instabilen Verletzungen des Beckenringes sollten in stabile Situationen durch eine operative Behandlung überführt werden um das Gehen mit Hilfsmitteln frühzeitig zu ermöglichen und eine Verschiebung oder mangelhafte Ausheilung möglichst zu verhindern.

Entscheidend für die Stabilität der Verletzung und das therapeutische Vorgehen ist dabei die Beteiligung des hinteren Beckenringsegments.

Typ B1 Beckenringverletzung rechts mit beiderseits transpubischen Stückfrakturen

Typ B1 Beckenringverletzung rechts mit beiderseits transpubischen Stückfrakturen
Typ B1 Beckenringverletzung rechts mit beiderseits transpubischen Stückfrakturen

Die stabilen Brüche des Typs A betreffen das hintere Beckenringsegment nicht und können meist ohne Operation behandelt werden. Sie heilen unter einen entsprechenden Schmerztherapie und Mobilisation aus. Häufig ist der vordere Beckenring mit Sitz- und Schambeinbruch betroffen.

Die teilstabilen Brüche des Typs B betreffen sowohl den vorderen als auch den hinteren Beckenring. Hier ist eine operative Behandlung durch eine Stabilisation des vorderen Beckenrings sinnvoll. Es kann dann frühzeitig eine Mobilisation und Stabilität erzielt werden. Durch die vordere Stabilisation heilt auch die Teilverletzung des hinteren Beckenrings aus.

Die instabilen Verletzungen des Typs C führen zu einer Vollständigen Instabilität im hinteren Beckenringsegment. Hier ist in jedem Falle eine Stabilisation des hinteren Beckens wie meist auch des vorderen Beckenrings notwendig.

Beiderseits transalare Brüche des Kreuzbeins (Sacrum), Mobilisation nicht möglich
Beiderseits transalare Brüche des Kreuzbeins (Sacrum), Mobilisation nicht möglich
Nach Operation Mobilisation der Patientin möglich
Nach Operation Mobilisation der Patientin möglich

Solche Verletzungen kommen nicht nur in Folge von Verkehrsunfällen sondern auch im Alter durch leichte Stürze bei Osteoporose vor, wie nebenstehender Fall anschaulich zeigt. Dabei ist die Diagnose häufig nicht ganz einfach zu stellen und erfordert oft eine computertomografische Untersuchung (CT). Auch bei den durchaus betagten Patienten sind angepasste Operationen sinnvoll und werden von uns mit dem Ziel des Erhaltens der Gehfähigkeit und Eigenständigkeit angewendet.

Bei den schweren Beckenverletzungen liegen neben der knöchernen Verletzung oft auch Nerven- und Weichgewebsverletzungen vor, die in die Behandlung miteinbezogen werden müssen. Hier ist die Zusammenarbeit mit weiteren Spezialisten in unserem Hause notwendig.

Zugelassen: Schwerstverletzte nach Arbeitsunfällen

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, ein Bestandteil des Traumazentrums im EvKB, wurde als eine von zehn Kliniken in Nordrhein-Westfalen von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für die Behandlung von Schwerstverletzten nach Arbeitsunfällen zugelassen.

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