Wirbelsäulenchirurgie

Aufbau und Aufgaben der Wirbelsäule

Lendenwirbelsäulenmodell
Lendenwirbelsäulenmodell

Die Wirbelsäule hat drei Aufgaben: Sie nimmt die gesamte Last des oberen Körpers einschließlich des Kopfes auf und leitet diese an das Becken weiter. Sie gewährleistet die Beweglichkeit des Oberkörpers und ermöglicht eine Beweglichkeit zwischen Kopf und Becken und sie schützt mechanisch das Rückenmark. Sie besteht aus einer Aneinanderreihung von einzelnen Wirbelkörpern, die wie an einer Gliederkette über Bandscheiben miteinander verbunden sind. Wir sprechen dabei von einem sogenannten Bewegungssegment, welches aus zwei Wirbelkörpern mit der dazwischenliegenden Bandscheibe besteht.

Die Wirbelsäule wird in Abschnitte unterteilt: Die Halswirbelsäule umfasst in der Regel sieben Wirbel, die Brustwirbelsäule zwölf und die Lendenwirbelsäule, die an das Becken angrenzt, fünf Wirbelkörper.

Wirbelsäulenverletzungen

inkompletter Berstungsbruch mit stabiler Hinterkante
inkompletter Berstungsbruch mit stabiler Hinterkante

Bei den Wirbelsäulenverletzungen kann zwischen den typischen unfallbedingten Verletzungen (zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall) und den „Verletzungen“ aufgrund einer Überanspruchung oder andauernden Überlastung im Sinne eines Ermüdungsbruchs unterschieden werden.

Die Behandlung von Wirbelsäulenverletzungen hat zum Ziel, ein möglichst schmerzfreies und sowohl statisch als auch dynamisch stabiles Achsenorgan entsprechend der Aufgaben der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die radiologische wie auch neurologische Untersuchung hilft dabei, die Schwere der Verletzung zu diagnostizieren. Darauf aufbauend wird die geeignete Therapie ausgewählt.

Stabile und instabile Wirbelkörperbrüche

Bei der Beurteilung wird unterschieden zwischen stabilen und instabilen Wirbelsäulenverletzungen. Grundlage der Beurteilung ist das sogenannte Drei-Säulenmodell nach Denis (1983). Die jeweiligen Brüche werden nach ihrer Stabilität in die Gruppen A , B und C eingeteilt.

Stabile Frakturen

Die stabilen, weniger schweren Wirbelkörperbrüche können meist ohne Operation behandelt werden. Hier gilt es, den Bruch ohne weitere Verformung auszuheilen und die Mobilität und Belastungsfähigkeit im Verlauf wiederzugewinnen.

Instabile Frakturen

Bei instabilen Wirbelkörperbrüchen führen wir operative Stabilisationen sowohl von rückenseitig als auch von vorn durch. Liegen einfachere instabile Wirbelkörperbrüche vor, stabilisiert ein über den Rücken eingebrachtes Stangensystem (Fixateur interne) die Wirbelsäule und überbrückt den verletzten Wirbelsäulenabschnitt. Dabei ist es wichtig, die Wirbelsäule wieder aufzurichten und ins Lot zu bringen. Der Wirbelkörper und die angrenzenden Strukturen können unter dem Schutz des Stangensystems heilen, das nach zirka einem Jahr wieder entfernt werden sollte.

Wirbelsäulenoperation
Wirbelsäulenoperation
Fixateur interne
Fixateur interne

Deformation von Wirbelkörpern

Ist der Wirbelkörper stark deformiert und sind die zugehörigen Bandscheiben verletzt, ist eine ausreichende dauerhafte stabile Ausheilung der Verletzung nicht ohne eine Stabilisation von vorn zu erwarten. Dabei kann - je nach Ausmaß der Verletzung - eine Knochenspaninterposition (körpereigener Knochen, meist vom Beckenkamm) die stabile dauerhafte Überbrückung des Bandscheibenfachs mit Erhalt der Aufrichtung des Segments bewerkstelligen.

inkompletter Berstungsbruch mit instabiler Hinterkante und hinterer Säule (Typ B Verletzung)
inkompletter Berstungsbruch mit instabiler Hinterkante und hinterer Säule (Typ B Verletzung)
Fixateur interne: 1. Eingriff  mit Wiederaufrichtung
Fixateur interne: 1. Eingriff mit Wiederaufrichtung
Stabilisation vordere Säule mit Span und Platte nach 2. Eingriff
Stabilisation vordere Säule mit Span und Platte nach 2. Eingriff

Liegt eine vollständige Zerberstung des Wirbelkörpers vor, ist sowohl die Bandscheibe unterhalb als auch oberhalb des Wirbelkörpers zerstört. In solchen Fällen ist eine dauerhafte Stabilisation mit Hilfe eines künstlichen Wirbelkörperersatzes (Cage) in Kombination mit körpereigenem Knochen empfehlenswert. Durch eine solche Stabilisation können die vorderen Druckkräfte dauerhaft entlang der Wirbelsäule stabil übertragen werden und ermöglichen eine belastungsfähige Ausheilung der Verletzung.

Intraoperativ: künstlicher Wirbelkörperersatz (Cage)
Intraoperativ: künstlicher Wirbelkörperersatz (Cage)
Cage mit Knochenspange 6 Monate nach 1. OP
Cage mit Knochenspange 6 Monate nach 1. OP

Wirbelkörperbrüche durch Osteoporose

Ältere Dame nach Kyphoplastie
Ältere Dame nach Kyphoplastie

In unserer zunehmend älter werdenden Gesellschaft nimmt die Zahl der osteoporotisch bedingten Wirbelkörperbrüche stark zu. Durch die Schwächung der Festigkeit des Knochens kommt es sowohl spontan zu Verformungen der Wirbelkörper als auch schon bei geringeren Stürzen zu einem Wirbelkörperbruch.

Die Verformungen an mehreren Wirbeln über einen längeren Zeitraum führen über die Höhenminderung und Keilwirbelbildung meist zu einer zunehmenden Rundrückenbildung (Kyphosierung) der Wirbelsäule. Es bildet sich ein sogenannter „Witwenbuckel“.

Um anhaltende Schmerzen, Einschränkungen in der Aktivität und Lebensqualität sowie eine fortschreitende Rundrückenbildung zu vermeiden, können wir während einer Kyphoplastie-Operation unter Röntgenbildwandlergeräten Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper einbringen. Dabei ist es das Ziel, den gebrochenen Wirbelkörper wieder in seiner Höhe aufzurichten und durch den Zement zu verfestigen.

Treten ausgeprägte Höhenminderungen oder Achsenknicke auf, sollte zusätzlich die Möglichkeit einer Wiederaufrichtung und Achsenbegradigung mit Hilfe von inneren Gestängen erwogen werden. Diese sichern den mit Zement aufgefüllten Wirbelkörper zusätzlich insbesondere gegen Scher- und Drehbelastungen.

Kyphoplastie
Kyphoplastie
Kyphoplastie drei Höhen
Kyphoplastie drei Höhen

Mobilisierung und Krankengymnastik

Die Behandlung der Osteoporose als Grundlage der Brucherkrankung gehört ebenso zur Behandlung wie die erneute Mobilisierung und krankengymnastische Therapie.

Zugelassen: Schwerstverletzte nach Arbeitsunfällen

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, ein Bestandteil des Traumazentrums im EvKB, wurde als eine von zehn Kliniken in Nordrhein-Westfalen von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für die Behandlung von Schwerstverletzten nach Arbeitsunfällen zugelassen.

» weitere Informationen