Angiografie

Angiografie bedeutet zunächst einmal nur "Darstellung der Blutgefäße". Im klinischen Alltag ist damit in der Regel die Darstellung der Arterien gemeint. Eine Darstellung der Venen ist aber ebenso möglich (Phlebografie). Bei der Angiografie punktiert der Radiologe in örtlicher Betäubung das Blutgefäß, das von Interesse ist, und spritzt Kontrastmittel ein. Während des Spritzens wird diese Region des Körpers durchleuchtet. Da das Kontrastmittel mit dem Blutstrom fortgetragen wird, entsteht so eine Darstellung des Gefäßsystems. Über diesen Zugang lassen sich zum Beispiel auch die Gehirnarterien darstellen. Im Bereich der Neuroradiologie ist die Angiografie bei Gehirnblutungen, die durch Gefäßmissbildungen oder geplatzte Schlagadern entstanden sind, die beste diagnostische Methode.

Angiografie in der Therapie

Die Angiografie ist jedoch nicht nur ein Mittel zur Diagnose: Sie stellt auch einen direkten Übergang zu therapeutischen Eingriffen (Interventionen) her. Intervention bedeutet in diesem Zusammenhang das Behandeln einer Gefäßveränderung, zum Beispiel einer Engstelle. Oftmals kann bereits in einer Sitzung die diagnostische Angiografie und die Intervention, also die Behandlung, vorgenommen werden. Dabei wird die Nadel gegen einen kleinen Plastikschlauch (Schleuse) ausgetauscht. Über diese Schleuse werden bestimmte Katheter und Drähte innerhalb des Blutgefäßes vorgeführt. Je nachdem welches Gefäßproblem vorliegt, können nun auch sogenannte Ballonkatheter oder Stents, in der Neuroradiologie sogenannte Coils für die Behandlung eingeführt werden.

Ballonkatheter

Ein Ballonkatheter wurde zur Behandlung von Engstellen im Blutgefäßsystem entwickelt. Hierbei wird ein kleiner Ballon mit einem Katheter eng zusammengefaltet in die Engstelle geschoben und dort mit Wasser gefüllt, wobei hohe Drücke erzeugt werden können (über 20 bar). Diese sind zum Teil nötig, um verkalkte Engstellen in Blutgefäßen aufzudehnen (dilatieren). Anschließend wird das Wasser aus dem Ballon entfernt, so dass er sich wieder zusammenfaltet und entfernt werden kann.

Stent

Ein Stent ist eine Gefäßstützte, ein kleines Metallröhrchen mit einer Kreuzgitterstruktur. Stents werden benutzt, um hartnäckige Engstellen im Blutgefäßsystem zu behandeln, wenn das Aufdehnen mit einem Ballonkatheter nicht ausreicht. Ähnlich wie der Ballon wird auch der Stent eng zusammengefaltet mit einem Katheter in die richtige Position gebracht und dann freigesetzt. Der Stent verbleibt im Gefäß und hält durch seine Eigenspannung die Engstelle offen.

Coiling

Das Coiling (englisch: to coil = aufrollen) wird in der Neuroradiologie verwendet, um Aneurysmata zu behandeln, das heißt: zu verschließen. Aneurysmata sind krankhafte Gefäßwandaussackungen, die sich an den Schlagadern bilden können, durch die das Gehirn mit Blut versorgt wird. Aneurysmata sind gefährlich, da die Gefäßwand hier leicht einreißen und so zu Gehirnblutungen führen kann. Um dies zu verhindern wird ein Katheter in das betreffende Gefäß gelegt, der einen zunächst lang gestreckten Coil, einen sehr dünner Platindraht, enthält, der außerhalb des Katheters eine bestimmte Form annimmt. Der Coil wird ins Aneurysma eingebracht, rollt sich dort zusammen und verschließt es damit. Oft müssen mehrere Coils in ein Aneurysma eingebracht werden, um es vollständig zu verschließen.

In der Regel ist in den ersten Stunden nach dem Eingriff strenge Bettruhe nötig, um eine Nachblutung zu vermeiden. Auch sollte der Patient – falls nicht anders verordnet – viel trinken, um das Kontrastmittel schnell aus dem Körper zu spülen.

Patienten mit bestimmten Diabetes-Medikamente (Metformin) und Patienten, die das Medikament Marcumar einnehmen, sollten bei Ihrem behandelnden Arzt in Erfahrung bringen, wann und wie das Medikament rechtzeitig vor der Untersuchung abgesetzt wird. Da das verwendete Kontrastmittel viel Jod enthält, darf keine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion vorliegen. Auch bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bekannter Allergie ist Vorsicht geboten. Sollte eine bekannte Blutungsneigung oder Blutzuckererkrankung vorliegen, informieren Sie bitte Ihren Arzt. Je nach individueller Situation kann die Untersuchung gegebenenfalls nach entsprechender Vorbereitung trotzdem durchgeführt werden.

Angiographie der hirnversorgenden Arterien
Die Enge ist durch einen Stent beseitigt