Diagnostik

Nach der sorgfältigen klinisch-neurologischen Untersuchung stehen uns in der Klinik für Neurochirurgie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) für die Diagnose jedes individuellen Beschwerdebildes folgende Techniken zur Verfügung:

konventionelle Röntgenbildgebung

Röntgenstrahlen sind physikalisch ganz ähnlich wie Lichtstrahlen. Der einzige Unterschied ist die höhere Energie, durch die sie den menschlichen Körper durchdringen können. Allerdings werden manche Gewebe, wie zum Beispiel das Lungengewebe, leichter durchdrungen als Knochen. Auf dem Röntgenbild lassen sich so Gewebe verschiedener Dichte voneinander unterscheiden und beurteilen.

Mit einer Röntgenuntersuchung lassen sich je nach Körperregion viele medizinische Fragen in sehr kurzer Zeit klären. Tumorleiden sind häufig bereits mit dieser Methode erkennbar. Auch bei Verdacht auf Verschleiß der Wirbelsäule kommt die Röntgentechnik in der Neurochirurgie zum Einsatz. Sie wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kinderradiologie im EvKB durchgeführt.

Computertomografie einschließlich computertomografischer Angiografiesequenzen

Bei einem Computertomografen handelt es sich – einfach ausgedrückt – um eine Röntgenröhre, die in einem Ring angebracht ist und so um den liegenden Patienten rotieren kann. Durch die Drehung der Röntgenröhre entstehen ständig neue Bilddaten, die von einem Computer ausgewertet werden. Während der Untersuchung schiebt sich die Untersuchungsliege durch den Ring, so kann zum Beispiel die ganze Lunge in einem Untersuchungsgang erfasst werden. Das Ergebnis sind viele Querschnittsansichten des untersuchten Patienten, sogenannte Schnittbilder. Dabei können auch Röntgenkontrastmittel zum Einsatz kommen, um krankhafte Prozesse zu entdecken. Zum Beispiel kann es helfen, normales Gewebe von einem Tumor zu unterscheiden oder Gerinnsel in Blutgefäßen zu entdecken. Die große Anzahl an Schnittbildern wird durch einen Computer zu einer detailgenauen Ansicht entweder der Anatomie oder des Gefäßsystems des Patienten zusammengesetzt.

Zum Beispiel im Bereich der Akutdiagnostik, wie sie nach Verkehrsunfällen mit Schädel-Hirn-Verletzungen notwendig ist, ist die Computertomografie für die Neurochirurgie unerlässlich. Mit ihr können in kürzester Zeit Gehirnblutungen und Schädelbrüche erkannt werden. Die eigentliche Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Sie wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kinderradiologie im EvKB durchgeführt.

konventionelle und funktionelle Magnetresonanztomografie (MRT, fMRT), einschließlich intra- und extrakranieller Angiografiesequenzen

Ein Magnetresonanztomograf (kurz: MRT, auch Kernspintomograf genannt) ist ein längliches, röhrenartiges Gerät, das mit einem starken Magnetfeld arbeitet. Der Patient wird auf der Untersuchungsliege etwa in der Mitte des Gerätes positioniert. Durch Änderungen des Magnetfelds, die der Patient nicht spürt, werden aus dem menschlichen Körper spezielle Signale empfangen, aus denen ein Computer wiederum in einem komplizierten Verfahren präzise Bilder der Anatomie erzeugt. Mittels einer funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) lassen sich auch Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen darstellen. Ähnlich wie bei der Computertomografie (CT) spricht man von einem Schnittbild, allerdings kommen die Untersuchungsmethoden der Kernspintomografie ohne Röntgenstrahlung aus.

Die Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kinderradiologie im EvKB durchgeführt. Im Vorfeld neurochirurgischer Untersuchungen wird die Kernspintomografie in angepasster Form eingesetzt, um Gehirntumoren, Tumoren im Rückenmark, entzündliche Erkrankungen oder Schlaganfälle präzise zu diagnostizieren.

Einzelphotonen-Emissionscomputertomografie (SPECT)

Bei der Einzelphotonen-Emissions-Tomografie (SPECT) handelt es sich um ein bildgebendes diagnostisches Verfahren der Nuklearmedizin. Sie findet im Bereich der Neurochirurgie Anwendung bei onkologischen Patienten mit komplexen Tumorerkrankungen. Bei dieser Szintigrafie wird ein schwach radioaktives Radiopharmakon, der sogenannte Tracer, in den Körper eingebracht. Nachdem sich der Tracer im Körper verteilt hat, lässt sich dessen Strahlung mit einer Gammakamera erkennen und abbilden. Durch rotierende Kameras können auch Schnittbilder erzeugt werden (Tomografie). Anhand der Verteilung des Tracers im Körper lassen sich Rückschlüsse über Organfunktionen und Durchblutungsverhältnisse im Körper ziehen.

Die Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Klinik für Nuklearmedizin im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) durchgeführt. Auch im Bereich der SPECT verfügt das EvKB über modernste Technik. Der eingesetzte SPEC-Tomograf verfügt über zwei Detektorköpfe, die dreh- und neigbar sind und auch nebeneinander angeordnet werden können. Das ermöglicht Untersuchungen von immobilen Patienten, zum Beispiel in Rollstühlen oder Krankenhausbetten. Dabei können Patienten mit einem Körpergewicht bis zu 225 Kilogramm untersucht werden.

Positronen-Emissionstomografie (PET)

Die Positronen-Emissionstomografie findet im Bereich der Neurochirurgie Anwendung bei onkologischen Patienten mit komplexen Tumorerkrankungen. Sie wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Klinik für Nuklearmedizin im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) durchgeführt. Für die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) wird dem Patienten ein schwach radioaktives Radiopharmakon, der sogenannte Tracer, mit speziellen physikalischen Eigenschaften injiziert. Dieser Tracer verteilt sich im Körper, insbesondere jedoch in Bereichen, die auf die Substanz mit einem erhöhten Stoffwechsel reagieren, wie zum Beispiel in einem Tumor. Dieser erhöhte Stoffwechsel ist auf Bildern der PET, die schichtweise Aufnahmen des Körpers erstellt, erkennbar. Mit dem Wissen über den erhöhten Stoffwechsel in Tumoren und in Metastasen lassen sich nun die Bereiche, die einen erhöhten Stoffwechsel anzeigen, auf das Vorhandensein von Tumoren untersuchen.

Digitale Subtraktionsangiografie

Bei der digitalen Subtraktionsangiografie wird während einer Durchleuchtung ein Kontrastmittel gespritzt. Dadurch wird auf Darstellungen am Monitor die Struktur der Blutgefäße dargestellt, die Knochen und Weichteile der Körperregion werden jedoch ausgeblendet. Per Computer lässt sich eine sehr genaue Darstellung der Blutgefäße erreichen, was es erleichtert, Gefäßmissbildungen zu erkennen. Die Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kinderradiologie im EvKB durchgeführt.

Ventrikulografie

Mittels der Ventrikulografie lassen sich durch die Gabe von Kontrastmitteln die Gehirnwasserkammern darstellen. Auf diese Weise können zum Beispiel Abflussstörungen des Gehirnwassers festgestellt oder ausgeschlossen werden.

zervikale und lumbale Myelografien

Zervikale und lumbale Myelografien erlauben die Darstellung des Rückenmarkkanals (Spinalkanal) und insbesondere die Bestimmung seines Durchmessers. Vor notwendigen Erweiterungen des Rückenmarkkanals (Dekompressionen von Stenosen des Spinalkanals) liefern die Myelografien für den Chirurgen somit wertvolle Informationen.

extra- und intraoperative Dopplersonografie

Eine Weiterentwicklung der Sonografie (Ultraschalluntersuchung) ist die Dopplersonographie. Hierbei macht man sich den Doppler-Effekt zu Nutze. Dabei ist es möglich, den Blutstrom und dessen Richtung darzustellen. Dieses Verfahren wird eingesetzt, um die Durchblutung eines Organs zu untersuchen oder um Engstellen in Blutgefäßen zu diagnostizieren. Diese Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kinderradiologie im EvKB durchgeführt.

interventionelle Neuroradiologie

Gemeinsam mit den Kollegen der Neuroradiologie im EvKB lassen sich Verfahren der Diagnostik auch für therapeutische Eingriffe einsetzen. Dabei handelt es sich um interventionelle, jedoch keine chirurgischen Eingriffe. Beispielsweise stellt die Angiografie einen Übergang von der Beurteilung von Gefäßen zur Behandlung von erkannten Gefäßveränderungen dar, zum Beispiel von Stenosen (Engstellen).

Das Coiling (englisch: to coil = aufrollen) wird in der Neuroradiologie verwendet, um Aneurysm(ata)en (ich weiß; die andere Schreibweise ist auch korrekt, aber die wird nicht mehr benutzt) zu behandeln, das heißt: zu verschließen. Aneurysmata sind krankhafte Gefäßwandaussackungen, die sich an den Schlagadern bilden können, durch die das Gehirn mit Blut versorgt wird. Aneurysmata sind gefährlich, da die Gefäßwand hier leicht einreißen und so zu Gehirnblutungen führen kann. Um dies zu verhindern, wird ein Katheter in das betreffende Gefäß gelegt, der einen zunächst lang gestreckten Coil, einen sehr dünne(r)n Platindraht, enthält, der außerhalb des Katheters eine vorbestimmte Form annimmt. Der Coil wird in das Aneurysma eingebracht, rollt sich dort zusammen und verschließt es damit. Oft müssen mehrere Coils in ein Aneurysma eingebracht werden, um es vollständig zu verschließen.

Elektromyografie (EMG)

Die Elektromyografie (EMG) stellt eine Methode dar, mit der sich Nervenschäden von Muskelschäden abgrenzen lassen. Dabei werden Muskelaktivitäten untersucht, indem feine Nadeln in den Muskel eingebracht werden, über die die dort vorhandene elektrische Aktivität gemessen wird.

Elektroneurografie (ENG)

Zur Beurteilung von Schäden des zentralen und peripheren Nervensystems steht uns durch die Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie im EvKB eine große Anzahl verschiedener Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Mit diesen lassen sich die Nervenleitgeschwindigkeit messen sowie die evozierten Potentiale untersuchen, wobei die Verknüpfung von peripherem und zentralem Nervensystem begutachtet wird.

intraoperatives multimodales Monitoring

Das intraoperative multimodale Monitoring ist ein Verfahren, das den Ablauf einer sicheren neurochirurgischen Operation unterstützt. Während einer Operation werden die Nervenfunktionen durch viele Elektroden durchgängig überwacht und damit die Funktion der ableitenden Nerven geprüft. Das führt dazu, dass (bei der Operation) während des Eingriffes (mehr) gesunde Nerven geschont werden können.

präoperative navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS), Brainmapping

Die präoperative navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS) ist ein neurochirurgisches Verfahren, welches das Bewegungsareal im Gehirn, den Motorkortex, präzise lokalisiert, ohne dass hierzu ein Eingriff notwendig ist. Grundlage ist eine zuvor erstellte dreidimensionale Magnetresonanztomografie. Aus den gewonnenen Daten wird den Neurochirurgen während der Operation durch ein Navigationssystem millimetergenau die Lage des wichtigen Areals angezeigt, sodass es sicher vermieden werden kann.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel "Bahnbrechendes" Navigationsgerät für Hirnoperationen.

Neuropathologie

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropathologie im EvKB sichern wir die Diagnosen. Dort werden intraoperativ und postoperativ histologische Befunde pathologisch diagnostiziert. Auch während eines Eingriffs erhalten wir vom Institut durch die Schnellschnittdiagnostik vorläufige Befunde, durch die eine Operation entweder abgesichert oder noch angepasst werden kann.