Entzündliche und immunologische Erkrankungen

Anhand von MRT-Aufnahmen lassen sich entzündliche Erkrankungen erkennen.
Anhand von MRT-Aufnahmen lassen sich entzündliche Erkrankungen erkennen.

Entzündungen stellen eine Reaktion des Körpers auf einen Reiz dar, der möglicherweise schädigend sein kann. Es handelt sich in der eigentlichen Form um eine Möglichkeit des Körpers, sich zum Beispiel gegen Bakterien oder Viren zu wehren. In unserer Klinik für Neurologie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) untersuchen und behandeln wir neurologische Infektionen. Das sind Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns, der peripheren Nerven, des Rückenmarks und der Muskeln. Dazu kommen Entzündungen, die wahrscheinlich auf eine Fehlsteuerung des Immunsystems zurückgeführt werden können. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Bei Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) führt dies allmählich zur Zerstörung der Nervenhüllen (Myelinscheiden), bei der Myositis (Muskelentzündung) zur Zerstörung von Muskelgewebe.

Multiple Sklerose (MS)

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine Fehlsteuerung des Immunsystems, bei der sich dieses gegen den eigenen Körper richtet. Das führt allmählich zur Zerstörung der Nervenhüllen (Myelinscheiden).

Die MS erfordert eine exakte und umfassende Diagnosesicherung und eine individuell abgestimmte Indikationsberatung für die bewährten und in den letzten Jahren neu entwickelten wirksamen Therapie- und Prophylaxeverfahren. In unserer Klinik finden Patienten kompetente Ansprechpartner mit langjähriger Erfahrung. In der Behandlung der Multiple Sklerose arbeiten unsere Experten auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Zu unseren Leistungen gehören:

  • Klärung und Sicherung der Diagnose
  • Erläuterung und Einleitung einer vorbeugenden medikamentösen Behandlungen nach aktuellsten Stand der Wissenschaft
  • Behandlung eines akuten MS-Schubes einschließlich der Durchführung einer Plasmapherese (Blutwäsche)
  • Aufklärung und Durchführung der Eskalationstherapie (Natalizumab und Mitoxantron)
  • Planung und Durchführung symptomatischer Therapiemaßnahmen (zum Beispiel bei Spastik, Schmerzen und vermehrter Müdigkeit)
  • enge Zusammenarbeit mit den hiesigen Urologen bei Blasenfunktionsstörungen (eigene Kontinenzsprechstunde)
  • Beratung bei Schwangerschaft und Stillzeit
  • Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage
  • Diagnostik und Therapie von Sprach- und Sprechstörungen durch unsere Klinische Linguistik
  • Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen durch unsere Klinische Linguistik
  • Ergotherapie
  • Sozialmedizinische Beratung und gegebenenfalls Teilnahme an klinischen Studien

Guillain-Barré Syndrom (GBS)

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) beschreibt Veränderungen des peripheren Nervensystems, also von Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Diese Veränderungen treten akut auf und sind auf Entzündungen zurückzuführen. Die genaue Ursache für das GBS ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Typischerweise kommt es innerhalb der ersten vier Wochen zu unterschiedlich ausgeprägten Lähmungserscheinungen, die im Bereich der Beinmuskulatur ihren Anfang nehmen und später auch die Armmuskulatur betreffen, sowie zu Sensibilitätsstörungen. Bei Krankheitsbildern, die sich über einen längeren Zeitraum entwickeln, spricht man von einer chronischen Verlaufsform, der sogenannten CIDP (Chronic inflammatory demyelinating Polyneupathy).

Im Verlauf der Erkrankung kann es zu Störungen des vegetativen Nervensystems kommen, was wiederum Herz-Rhythmus-Störungen nach sich ziehen kann. In der Regel bilden sich die Ausfallerscheinungen zurück. Etwa jeder fünfte Betroffene behält Funktionsausfälle zurück. Das Guillain-Barré-Syndrom beziehungsweise die CIDP werden in unserer Klinik für Neurologie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) nach dem aktuellen wissenschaftlichen Standard (inklusive Immunseparation und Plasmapherese) behandelt.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, deren Auswirkungen ganz wesentlich das Nervensystem betreffen können. Übertragen durch bestimmte Arten von Zecken, Mücken oder Pferdebremsen werden vor allem die Gelenke, die Haut, das Herz und das Nervensystem befallen, aber auch das Nervensystem. Bei den Erregern handelt es sich um Bakterien, die durch Zeckenstiche übertragen werden.

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Die äußeren Hüllen von Gehirn und Rückenmark werden als Hirnhäute bezeichnet. Bei einer Entzündung dieser Hirnhäute, einer Meningitis, kommen als Erreger Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten, aber auch Proteine in Betracht. Aufgrund der Nähe zum Gehirn wird eine Hirnhautentzündung als medizinischer Notfall betrachtet.

Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Bei einer Enzephalitis handelt es sich um eine meist infektiös bedingte Entzündung des Gehirngewebes, die durch Viren, Bakterien, Pilze und Einzeller ausgelöst werden kann. Bei Betroffenen reichen die Auswirkungen von Fieber und Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungen und Sehstörungen.

Rückenmarksentzündung (Myelitis)

Eine Rückenmarksentzündung (Myelitis) kann als Reaktion des Immunsystems infolge von Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln oder Malaria, aber auch durch über das Blut eingeschwemmte Erreger (Sepsis, Blutvergiftung) auftreten. Dabei können vereinzelte Entzündungsherde auftreten oder der gesamte Rückenmarksquerschnitt betroffen sein. Im schlimmsten Fall kann die Myelitis zur Querschnittlähmung führen.

Nervenwurzelentzündung (Radikulitis)

Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen gehören zu den chronischen oder akuten Symptomen einer Radikulopathie, einer Entzündung der Nervenwurzeln. Die genannten Empfindungen schränken die Bewegungsfreiheit der Betroffenen – oftmals massiv – ein. Treten die Beschwerden chronisch auf, kommt es auch zu depressiven Verstimmungen. Lebensbedrohlich wird die Nervenwurzelentzündung, wenn Zwerchfell oder die Atemhilfsmuskulatur betroffen ist und die Gefahr des Atemversagens gegeben ist.

Nervenentzündung (Neuritis)

Als Neuritis wird die Entzündung von Nerven bezeichnet. Dabei kann es sich um das periphere Nervensystem handeln, das alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark bezeichnet, aber auch um einen Gehirnnerv. Es gibt viele Ursachen für eine Nervenentzündung. So kann sowohl eine Virus-Infektion, aber auch Gift, ein mechanisches Trauma oder eine Allergie die Neuritis auslösen.

Muskelentzündung (Myositis)

Allergien, Autoimmunkrankheiten, Viren, Bakterien, Parasiten aber auch Verletzungen wie Stichwunden oder tiefe Fleischwunden können eine Muskelentzündung auslösen. Ebenso kann eine Myositis erblich bedingt sein. Dabei werden Muskeln der Skelettmuskulatur angegriffen, zum Beispiel wenn Umweltgifte dazu führen, dass der Körper fälschlicherweise Abwehrstoffe gegen die eigene Muskulatur bildet.