Psychopharmakotherapie

Die von uns angewandte Psychopharmakotherapie berücksichtigt den jeweils aktuellen Stand des Wissens. Da sich dieses Wissen fortlaufend erweitert und daher besonders für weniger erfahrene Mitarbeiter kaum zu überblicken ist, haben wir in einer Arbeitsgruppe den praktischen „Ratgeber Psychopharmakotherapie“ erstellt. Damit haben wir eine - soweit derzeit möglich - evidenzbasierte Auswahl pharmakologischer Strategien getroffen, die ein einheitliches und transparentes Vorgehen in unserer täglichen Praxis ermöglicht. (Siehe: Berg et al., Steinkopf-Verlag Darmstadt, 2002; aktualisierte Ausgabe in Vorbereitung)

Eine individuell angepasste Psychopharmakotherapie setzt eine ausführliche Medikamentenanamnese, gegebenenfalls auch als Fremdanamnese durch Vorbehandler, eine körperliche Diagnostik zur Minimierung des Nebenwirkungsrisikos, eine sorgfältige Auseinandersetzung mit eventuellen Vorbehalten gegenüber einer empfohlenen oder erforderlichen Medikation sowie eine genaue klinische Beobachtung der Medikamenteneinnahme und des Auftretens von Nebenwirkungen voraus. Dies gilt insbesondere für Notfall- und Zwangsmedikationen. Erforderliche Medikamenteneinstellungen, Dosisanpassungen und -umstellungen werden ausführlich mit den Patienten besprochen und - wenn irgend möglich - innerhalb eines gemeinsam erarbeiteten Behandlungsplans umgesetzt.

In der Psychoedukation (Aufklärung und Beratung) erfahren die Patienten alles Wesentliche über die nachgewiesene prophylaktische Wirkung von Psychopharmaka bei schizophrenen, schizoaffektiven und affektiven Erkrankungen. Die Wirkungsweisen und unerwünschten Wirkungen von Medikamenten werden mit den Patienten ausführlich besprochen. Die Auswahl von Medikamenten im Einzelfall ist darüber hinaus Gegenstand von Behandlungsvereinbarungen für eventuelle zukünftige Behandlungen bei Patienten, die bereits wiederholt hospitalisiert werden mussten.

Trotz dieser Maßnahmen stellen wir allerdings fest, dass ein sehr großer Anteil der betroffenen Personen eine längerfristige medikamentöse Prophylaxe trotz des Wissens um die Folgen fehlender Therapietreue mehr oder weniger rasch unterbricht. Dieses in der Fachliteratur zunehmend diskutierte Phänomen ist bisher wenig verstanden und in unserer Klinik Gegenstand eines derzeit laufenden und eines weiteren in der konkreten Planung befindlichen Projekts.