Kinderanästhesiologie

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“ – Dieser allseits bekannte Leitsatz prägt das Handeln in unserer Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, Transfusionsmedizin und Schmerztherapie im EvKB. Die anästhesiologische Versorgung von Kindern hat sich inzwischen wegen der differenzierten Anforderungen zu einem Spezialgebiet innerhalb der Anästhesie entwickelt. Die altbewährten Techniken aus der „Erwachsenen-Anästhesiologie“ können nicht eins zu eins auf junge Patienten übertragen werden. Sie müssen vielmehr altersspezifisch, den kindlichen anatomischen Verhältnissen, den Funktionsprozessen und dem kindlichen Stoffwechsel angepasst werden.

Regionalanästhesie bei einem Baby
Kinder bedürfen einer speziellen Kompetenz der anästhesiologischen Versorgung mit speziell ausgebildetem ärztlichen und pflegerischen Personal (hier: eine Regionalanästhesie bei einem Baby).

Die Ergebnisse wie auch die Komplikationsrate in der Anästhesie bei Kindern verbessern sich zunehmend mit der Erfahrung des behandelnden Teams. In einer Untersuchung aus Großbritannien wurde gezeigt, dass mit der zunehmenden Erfahrung des Anästhesisten im Umgang mit Kindern die Mortalität und Morbidität insbesondere bei jungen und sehr jungen Kindern deutlich sinkt (Campling EA, The Report of the National Confidential Enquiry into Perioperative Deaths, 1990). Die Vereinigung europäischer Kinderanästhesisten „Federation of Associatons of Paediatric Anaesthesia  FEAPA“ definierte deshalb vor einigen Jahren Mindeststandards zum Ausbildungsprogramm für Anästhesisten, die sich überwiegend oder ausschließlich mit der Kinderanästhesie beschäftigen.

Die Kinderanästhesie ist seit dem Jahr 2000 unter Leitung von Prof. Dr. med. F. Mertzlufft ein voll integrierter Teilbereich unserer Klinik. Es findet eine kontinuierliche Weiterbildung und -entwicklung in der Abteilung statt, die eine noch bessere und altersgerechtere, kompetente Versorgung unserer jüngsten Patienten zum Ziel hat, Tag und Nacht, 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr.

Die räumliche und apparative Ausstattung unserer kinderanästhesio-
logischen Arbeitsplätze mit zwei großen OP–Einheiten im Kinderzentrum und einem OP–Saal im Hauptgebäude Gilead I sowie Aufwachraum (AWR) und Eingriffsraum entsprechen allen heutigen Anforderungen, um den hohen Sicherheits- und Qualitätsstandard in diesem besonders anspruchsvollen Gebiet zu gewährleisten.

Durch unsere sehr enge Zusammenarbeit mit den Kinderchirurgen und Neonatalogen (Perinatalzentrum Level 1) können wir unsere Anästhesien auch bei extrem kleinen Früh- und Neugeborenen, Kindern mit komplexen Fehlbildungssyndromen oder anderen schweren Vorerkrankungen sicher und kontrolliert durchführen.

Zusätzlich zur Kinderchirurgie versorgen wir auch unsere kleinen Patienten, die in der neurochirurgischen und urologischen Klinik operiert werden. Besonderen Schwerpunkt bilden hier epilepsiechirurgische Eingriffe wie Hemisphärotomien und Temporallappenresektionen bei Kindern ab 5 Kilogramm Körpergewicht und die große Tumorchirurgie.

Unsere kleinen Patienten profitieren von der engen, vertrauensvollen und kompetenten Zusammenarbeit mit und zwischen den beteiligten Kliniken.

Anästhesieambulanz

In der zu unserer Klinik gehörenden Anästhesieambulanz bieten wir den Eltern und Kindern die Möglichkeit, ein persönliches Gespräch mit dem Anästhesisten zu führen. Die Eltern und Kinder informieren sich während des Gesprächs über Art und Ablauf der der geplanten Narkose. Im Gespräch werden auch die Möglichkeiten der postoperativen Schmerztherapie besprochen sowie, falls erforderlich, zur Intensivtherapie.

Anästhesiologische Leistungen

Durch unsere Kinderanästhesisten werden jährlich über 2.000 Anästhesien durchgeführt. Davon über 1.200 bei Kleinkindern bis zum fünften Lebensjahr.
Bei den durchgeführten Narkosen kommen alle heute gängigen Anästhesietechniken zur Anwendung (zum Beispiel Vollnarkose, Regionalanästhesie wie Spinalanästhesie, Kaudalanästhesie).

Besondere Bedeutung für eine sichere Narkoseführung hat das perioperative Monitoring:

  • Invasive arterielle Blutdruckmessung, auch Herzleistungsmessung
  • Messung des zentralen Venendrucks
  • Transösophageale Echokardiographie während der NC–Eingriffe in sitzender Position (Diagnostik einer Luftembolie)
  • Überwachung der Narkosetiefe (BIS–Monitoring)
  • Überwachung der Muskelrelaxierung (Muskellähmung, Relaxometrie)
  • Überwachung der künstlichen Beatmung
  • und vieles mehr