Krankenhaushygiene im EvKB

Der Begriff „Hygiene“ wird im Alltag häufig im Zusammenhang mit Sauberkeit gebraucht. In einem Krankenhaus geht das Verständnis von Hygiene allerdings bedeutend weiter: Hier gilt es, durch gezielte Hygienemaßnahmen zu verhindern, dass innerhalb des Krankenhauses Infektionen stattfinden. In ganz Deutschland infizieren sich jährlich zirka 500.000 Patienten im Krankenhaus, auch da sich Erreger besonders leicht dort ausbreiten können, wo sich gleichzeitig Menschen mit ansteckenden Krankheiten und Menschen mit geschwächtem Immunsystem aufhalten. Im EvKB handelt es sich beim Thema Hygiene daher um eine besondere Herausforderung, die wir zu jedem Zeitpunkt mit höchster Priorität behandeln.

Um dieser wichtigen Aufgabe gerecht zu werden, gibt es in unserem Krankenhaus sowohl Ärzte als auch Mitarbeiter der Pflege, die auf das Thema Hygiene spezialisiert sind. Eine fachübergreifende Hygienekommission erarbeitet regelmäßig Maßnahmen und Vorgaben zur Prävention – einen verbindlichen Hygieneplan, der den aktuellen Richtlinien des Robert-Koch-Instituts entspricht.

In unserem »Institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Hygiene werden Krankheitserreger nachgewiesen und deren Antibiotika-Empfindlichkeiten ermittelt. Daraus resultieren wichtige Hinweise, die für die Vermeidung von Infektionen von großer Bedeutung sind. Gemeinsam mit dem »Hygieneteam aus der Pflege werden Hygienestandards entwickelt, um das Risiko einer Krankenhausinfektion für unsere Patienten so gering wie möglich zu halten. Diese Standards entsprechen den gesetzlichen Vorgaben der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (kurz KRINKO) am Robert-Koch-Institut.

Sowohl die baulich-funktionellen, aber auch die betrieblich-organisatorischen Verhältnisse in unserem Krankenhaus werden regelmäßig durch das Gesundheitsamt der Stadt Bielefeld überprüft.

Abstrichtupfer
Abstrichtupfer

Multiresistente Erreger

Krankheitserreger können sich nicht nur innerhalb eines Krankenhauses verbreiten, sie werden auch von außen ungewollt und unbewusst durch Patienten oder Besucher hereingetragen. Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um Menschen, bei denen eine Infektionserkrankung bereits ausgebrochen ist, sondern auch um Menschen, die lediglich einen multiresistenten Keim tragen. Eine Besiedlung mit einem multiresistenten Erreger ist zunächst nicht gefährlich. Wird jedoch das Immunsystem eines Patienten durch eine Krankheit geschwächt oder werden die Keime auf immungeschwächte Menschen übertragen, kann eine Infektionserkrankung – zum Beispiel durch Methicillin-resistenten-Staphylococcus-aureus (MRSA) – entstehen, die unter Umständen lebensbedrohlich werden kann. Insbesondere bei Patienten auf der Intensivstation oder bei unseren jüngsten Patienten auf der Frühgeborenenstation bedeutet eine Infektion eine große Gefahr, da die körpereigene Abwehr geschwächt ist oder noch nicht vollständig funktioniert.

Eine weitere Herausforderung stellt die Behandlung betroffener Patienten dar, denn multiresistente Erreger sind nur schwer zu bekämpfen, da sie gegen viele Antibiotika unempfindlich sind. Durch eine unkritische Gabe von Antibiotika in den letzten Jahrzehnten haben diese Keime Resistenzen gegen viele Wirkstoffe entwickelt.

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Welche Maßnahmen setzt das EvKB um?

Screenings

Unter einem Screening wird ein Testverfahren verstanden, das systematisch im Krankenhaus angewendet wird, um gefährliche Keime zu finden. Als Krankenhaus mit einem breiten Diagnostik- und Behandlungsangebot gibt es im EvKB unterschiedlichste Patientengruppen, vom Frühgeborenen bis zum älteren Patienten, die ein besonderes Risiko für einen multiresistenten Erreger haben. Diese Risikopatienten werden bereits bei der Aufnahme zwingend auf bestimmte Bakterien untersucht. Werden multiresistente Keime nachgewiesen, werden die betroffenen Patienten isoliert, um die Infektionsgefahr für andere Patienten zu minimieren.

  • Screening auf MRSA: Grundsätzlich werden auf Allgemeinstationen im EvKB alle Risikopatienten gemäß einer Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) auf MRSA untersucht. Über diese Empfehlung hinaus wird bei uns zusätzlich ein MRSA-Screening aller Patienten auf operativ-internistischen Intensivstationen, auf den Intensivüberwachungsstationen (Intermediate Care-Stationen, IMC), auf den Schlaganfallstationen (Stroke Units) sowie auf der Frühgeborenenintensivstation durchgeführt.

  • Screening auf multiresistente gramnegative Erreger (ESBL): Bei speziellen Risikopatienten sowie bei allen Frühgeborenen auf der Frühgeborenenintensivstation findet ein Screening auf Bakterien statt, die Antibiotika-inaktivierende Substanzen bilden. Es handelt sich hierbei um Extended–spectrum Beta-Laktamasen (ESBL)-bildende Keime.

  • Screening auf VRE und weitere Krankheitserreger: Auf Vancomycin–resistente Enterokokken (VRE) werden alle Frühgeborenen auf der Frühgeborenenintensivstation gescreent. Außerdem findet dort ein Screening auf besondere Krankheitserreger statt, die für diese sehr junge Patientengruppe gefährlich werden können.

MRSA-Erfassungssystem

Das EvKB nimmt am MRSA-Krankenhaus-Infektions-Überwachungssystem (kurz: MRSA-KISS) des Nationalen Referenzzentrums für die Überwachung von Krankenhausinfektionen mit Sitz in Berlin teil. Darüber hinaus wird die krankenhausinterne Antibiotika-Empfindlichkeit der im EvKB nachgewiesenen Bakterien durch Mitarbeiter des Instituts für Laborartoriumsmedizin, Mikrobiologie und Hygiene fortlaufend überwacht und bewertet.

Was tun wir für unsere Mitarbeiter?

Das EvKB bietet allen Mitarbeitern regelmäßige Veranstaltungen, Fortbildungen, Symposien und Workshops zur Infektiologie und Hygiene an. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass bei allen Mitarbeitern des EvKB das Bewusstsein für Hygienemaßnahmen auf einem hohen Stand gehalten wird.

„Aktion Saubere Hände“

Das EvKB beteiligt sich an der bundesweiten Aufklärungskampagne „Aktion saubere Hände“. Diese weist Patienten und Mitarbeiter in unserem Krankenhaus an vielen Stellen darauf hin, dass eine konsequente Händehygiene die einfachste und effektivste Maßnahme ist, um eine Ausbreitung vieler Erreger zu verhindern.

Auszeichnung für Maßnahmen gegen multiresistente Erreger

Für ihre Maßnahmen gegen die Verbreitung multiresistenter Erreger (MRE) sind das Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) und das Krankenhaus Mara vom MRE-Netzwerk Nordwest mit dem Qualitätssiegel MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ausgezeichnet worden... » weiter

Informationsmaterial

Mit aktuellem Informationsmaterial informieren wir sowohl Patienten wie auch Besucher über besondere Risiken. Es wird von unseren Hygieneexperten aus dem Institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Hygiene erstellt und unseren Patienten in verschiedenen Sprachen zur Verfügung gestellt.