Pflegerische Projekte

Im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) engagieren sich Mitarbeiter an einer Vielzahl pflegerischer Projekte. Ziel ist, neue Wege zu erproben und zu implementieren, um die bestmögliche pflegerische Versorgung zu gewährleisten. Beispielhaft stellen wir hier die Projekte „Expertenstandards“, „Familienclub in der Therapie von Menschen mit Suchtproblemen“ sowie die „Adhärenz-Therapie“ vor:

Expertenstandards

Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit hat das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) evidenzbasierte Expertenstandards in der Pflege erarbeitet. Diese sind als Instrument der Qualitätsentwicklung und -sicherung zu verstehen und gelten national für die professionelle Pflege als richtungsweisend.

Bis dato wurden Expertenstandards für folgende Schwerpunkte pflegerischen Handelns entwickelt:

  • Dekubitusprophylaxe
  • Entlassungsmanagement
  • Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der der oralen Ernährung in der Pflege
  • Förderung der Harnkontinenz
  • Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  • Schmerzmanagement
  • Sturzprophylaxe

Durch die flächendeckend erfolgreiche Implementierung und Anwendung der Expertenstandards

  • Dekubitusprophylaxe
  • Sturzprophylaxe
  • Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  • Ernährungsmanagement

ist das EvKB am Standort Johannesstift seit März 2013 eine Referenzeinrichtung des DNQP.

Alle übrigen Expertenstandards sind punktuell eingeführt oder befinden sich in Entwicklung, um die pflegerische Versorgung im EvKB auch in diesen Bereichen nach diesen national anerkannten Standards auszurichten. So konnte die Pflege im EvKB in den letzten Jahren große Erfolge hinsichtlich der Implementierung der Expertenstandards Schmerz- und Ernährungsmanagement verzeichnen. Die korrekte Erfassung von Schmerzzuständen sowie standardmäßige Ernährungs-Screenings bei der Aufnahme sind in vielen Abteilungen verbreitet. Die zielgerichtete Einleitung entsprechender evidenzbasierter Maßnahmen unter Einbeziehung von Experten sowie die Anleitung und Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen gehört in zahlreichen Abteilungen bereits zum Standard. Auch die Behandlung chronischer Wunden konnte durch die Etablierung von zertifizierten Wundmanagern aus dem Pflegebereich und durch die Einrichtung eines pflegerischen Wundkonsildienstes optimiert werden.

Familienklub in der Therapie von Menschen mit Suchtproblemen

Suchtprobleme in der Familie oder im Freundeskreis betreffen nicht nur den Abhängigen, sondern alle nahe stehenden Menschen. Trotzdem gibt es kaum Angebote der Suchtselbsthilfe, die sich speziell an Angehörige richten. Der Familienklub ist ein neues Angebot der angeleiteten Selbsthilfe, bei dem die Angehörigen von Abhängigen im Vordergrund stehen. Angehörige treffen sich wöchentlich, unabhängig davon, ob der oder die Abhängige bereit ist, sich in die Gruppenarbeit einzubringen.

Familienklubs wirken durch das Selbsthilfeprinzip. Familien sind selbst Experten für ihre eigenen Probleme und Lebenssituationen. Ziele des gegenseitigen Austausches sind:

  • Lösung suchtbezogener und lebenspraktischer Probleme
  • Lebensqualität und -freude der gesamten Familie stärken
  • Selbstachtung von Angehörigen verbessern

Handzettel "Familienklub" (PDF, 370 KB)

Adhärenz-Therapie

Die Adhärenz-Therapie ist eine psychotherapeutische Kurzintervention und integriert Ansätze der motivierenden Gesprächsführung ebenso wie verhaltenstherapeutische Ansätze. Die Intervention zielt darauf ab, Patienten bezüglich ihres langfristigen Krankheitsmanagements zu unterstützen.

Vielfach müssen Patienten nach der Entlassung aus der Klinik Therapiemaßnahmen langfristig umsetzen und Verhaltensweisen ändern, um der Gefahr von Rückfällen vorzubeugen oder auch mit Symptomen ein Leben mit Lebensqualität leben zu können. Adhärenz bezeichnet in diesem Zusammenhang das Ausmaß, in dem es dem Patienten gelingt, die gemeinsam mit Behandlern entwickelten Therapien und Verhaltensweisen umzusetzen. Der Begriff löst zunehmend den Begriff der Compliance ab, da dieser den Patienten in diesem Prozess in einer passiven Rolle sieht.

Innerhalb der Intervention werden mit dem Patienten fünf Gespräche während des stationären Aufenthalts und drei Gespräche im Anschluss an die Entlassung im häuslichen Umfeld geführt. Darin werden wichtige Aspekte des Krankheitsmanagements thematisiert. So gibt es Menschen, die im Hinblick auf die Therapien weitere Informationen benötigen. Andere sind vielleicht durch einen hohen Grad an Information unentschlossen und ambivalent, ob eine solche Therapie überhaupt der richtige Weg ist. Auch gibt es Patienten, die große Bedenken und Sorgen in Bezug auf Medikamente haben.

Pflegerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können mit Hilfe von Gesprächstechniken Betroffenen helfen, die für sie beste Entscheidung zu treffen. In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel wird diese Therapieform in der Abteilung für allgemeine Psychiatrie I angeboten und vorwiegend von Pflegemitarbeitern durchgeführt, die entsprechend geschult wurden.

Die Intervention wurde am Institute of Psychiatry von Richard Gray und Mitarbeitern für den ambulanten Bereich entwickelt. Innerhalb eines Schwerpunkts Psychiatrischer Pflegeforschung unter der Leitung von Dr. Michael Schulz wurde in Jahre 2003 die Intervention auf den Stationären Bereich in Deutschland übertragen und auf die Wirksamkeit hin untersucht.

Weitere Informationen: