- Startseite >
- Presse & Termine >
- Europaweite Standards für Hirntumor-Operationen: EvKB-Neurochirurg gestaltet internationale Richtlinie maßgeblich mit
Europaweite Standards für Hirntumor-Operationen: EvKB-Neurochirurg gestaltet internationale Richtlinie maßgeblich mit
Mit einer neuen europäischen Richtlinie zur operativen Behandlung von Gliomen liegen klare fachliche Empfehlung vor, wie viel Tumorgewebe bei diesen Hirntumoren entfernt werden sollte.
Spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer internationalen Richtlinie für Hirntumor-Operationen: Neurochirurg Univ.-Prof. Dr. Matthias Simon; Foto: Mirco Menebröcker
Erarbeitet wurde die Leitlinie von Expertinnen und Experten der Europäischen Gesellschaft für Neurochirurgie (EANS) und der Europäischen Gesellschaft für Neuro-Onkologie (EANO). Letztautor ist Univ.-Prof. Dr. Matthias Simon, Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie am EvKB, Evangelisches Klinikum Bethel, und Inhaber der W3-Professur für Neurochirurgie an der Medizinischen Fakultät der Universität.
Gliome sind die häufigsten primären Hirntumoren und können – je nach Lage – unter anderem Lähmungen, epileptische Anfälle oder Kopfschmerzen verursachen. Sie unterscheiden sich deutlich in Wachstumsgeschwindigkeit und Bösartigkeit. Eine präzise Diagnose ist deshalb entscheidend für die weitere Therapie, die meist aus einer Kombination von Operation, Bestrahlung und Chemotherapie besteht.
„Ziel der neuen Richtlinie ist es, die Frage zu beantworten, welches Ausmaß der Tumorentfernung bei den verschiedenen Gliomarten die besten Behandlungsergebnisse ermöglicht“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Matthias Simon. „Bisher fehlte eine vergleichbare evidenzbasierte Empfehlung – dabei hat der Umfang der Resektion nachweislich Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf“, so der Neurochirurg weiter.
Die neue Leitlinie erklärt für verschiedene Arten von Gliomen, wie viel Tumorgewebe bei einer Operation möglichst entfernt werden sollte. Beim Glioblastom, einem besonders bösartigen Tumor, kann vor dem Hintergrund sehr guter Evidenz eindeutig eine Komplettentfernung als Standard empfohlen werden. Wahrscheinlich gilt auch: Je mehr Tumor sicher entfernt werden kann, desto besser sind die Behandlungsaussichten. Ob es zusätzlich hilft, nicht nur den offensichtlichen Tumor sondern auch angrenzendes Gewebe zu resezieren („supramaximale Resektion“), ist derzeit wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Bei den sogenannten IDH-mutierten Gliomen – also bei diffusen Astrozytomen und Oligodendrogliomen – ist die Evidenz schwächer als beim Glioblastom, trotzdem kann klar empfohlen werden, den Tumor komplett zu entfernen. Es gibt Hinweise darauf, dass die vollständige Tumorresektion bei Astrozytomen wichtiger ist als bei Oligodendrogliomen, um gute Ergebnisse zu erzielen.
Auch bei Tumorrezidiven raten die neuen Empfehlungen zur vollständigen Resektion, sofern dies sicher durchführbar ist. Darüber hinaus unterstreicht die Leitlinie die Bedeutung der Operation bei gutartigen Astrozytomen, glioneuronalen Tumoren und Ependymomen. Hierzu gibt es bei kindlichen Ependymomen gute Evidenz. Wichtige Gründe für die Empfehlung trotz viel schwächerer Studienlage auch bei den anderen Tumorarten sind, dass der chirurgische Eingriff Symptome wie epileptische Anfälle beseitigen und manche Patienten sogar heilen kann.
Die neue europäische Richtlinie bietet damit erstmals ein einheitliches Fundament für die operative Therapie von Gliomen und soll Ärztinnen und Ärzten helfen, die individuell bestmögliche Behandlung für ihre Patientinnen und Patienten zu wählen.
Die Studie
Goldbrunner R, Foroglou N, Signorelli F, Schucht P, Jakola AS, Minniti G, Rola R, Renovanz M, Preusser M, Furtner J, Grossman R, Mawrin C, Demetriades A, Weller M, Simon M. EANS-EANO Guidelines on the extent of resection in gliomas. Neuro Oncol. 2025 Sep 17:noaf217. doi: 10.1093/neuonc/noaf217. Online ahead of print. PMID: 40973061
Universitätsklinik für Neurochirurgie
Allgemeine Nachrichten