Hinweise auf Chronifizierung
Im Gegensatz dazu beeinträchtige der chronische Schmerz dauerhaft die eigene Lebensführung. „Betroffene kommen oft in eine Situation, in der sie nicht mehr wissen, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wilfried Witte. Auch sei für Patientinnen und Patienten oft schwer zu verstehen, warum gerade sie das betreffe.
Er erklärt, dass es Anzeichen gebe, die auf eine Entwicklung einer Chronifizierung von Schmerzen hindeuten. Ein Indiz könnte sein, dass Betroffene beispielsweise im Alltag katastrophisieren, das heißt im Zusammenhang mit den Schmerzen ist ihr Denken von vernichtend negativen Gedanken bestimmt. Auch anhaltende Probleme am Arbeitsplatz, die als aussichtslos erscheinen, nennt Univ.-Prof. Dr. Wilfried Witte als Beispiel.
Ursachen nicht nur körperlich
Als Ursache von chronischen Schmerzen nennt Univ.-Prof. Dr. Wilfried Witte zum einen körperliche Gründe, so genannte strukturelle Defekte. „Häufig sind es aber funktionelle Beschwerden. Dann funktioniert das Zusammenspiel aus Knochen, Muskeln und Nerven nicht mehr richtig.“ Allein einen strukturellen Defekt „reparieren“ zu wollen, reiche dann nicht mehr aus. Dann benötige man eine komplexere Therapie.
Bei der so genannten interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie im EvKB arbeiten Therapeuten verschiedener Fachrichtungen im Team zusammen, um die individuellen Schmerzprobleme der Patientinnen und Patienten herauszuarbeiten und zu behandeln. Ein wichtiger Faktor dabei seien auch psychosoziale Aspekte. „Alles, was einen seelisch belastet, kann eine Rolle spielen. Das kann im negativen Fall den Schmerz verstärken“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wilfried Witte. Wichtig sei, dass Betroffene mithilfe der Therapeutinnen und Therapeuten auch selbst erkennen, an welchen Stellschrauben sie drehen können.