Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter
Herzlich willkommen auf der Internetseite des Zentrums für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter im EvKB!
Magersucht – Ess-Brech-Sucht oder Binge-Eating-Störung: Mehr als 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen ein gestörtes Essverhalten auf. In den vergangenen zehn Jahren und insbesondere in der Corona-Pandemie ist die Zahl der Betroffenen beträchtlich gestiegen. In unserem Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter finden Kinder, Jugendliche und ihre Familien fachkundige Unterstützung, Verständnis und Wege zurück zu einem gesunden Umgang mit Essen und Körperbewusstsein.
Essstörungen
Essstörungen verlaufen häufig über mehrere Jahre und können sowohl körperliche als auch psychische Folgen haben. Dazu zählen beispielsweise starkes Untergewicht oder andere körperliche Beeinträchtigungen. Gleichzeitig treten oft begleitende psychische Erkrankungen auf, wie Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen oder selbstverletzendes Verhalten.
In unserem Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter bündeln wir die Fachkompetenzen der Kinder- und Jugendlichen-Psychosomatik sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. So können wir betroffenen Kindern und Jugendlichen eine umfassende, Evidenz-basierte Therapie auf Grundlage der aktuellen Leitlinienempfehlungen anbieten, die sowohl die seelische als auch die körperliche (somatische) Gesundheit in den Blick nimmt.
Wir behandeln
- Anorexia nervosa (Magersucht)
- Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)
- Vermeidend-restriktive Essstörungen
- Sonstige Auffälligkeiten im Esssverhalten, z.B. Regelmäßig auftretende Essanfälle ohne gewichtsregulierende Maßnahmen
Wichtig: Häufig treten Essstörungen als Mischformen auf.
Ein Zentrum – Zwei Universitätskliniken – Die volle Kompetenz
Das Zentrum für Essstörungen wird von zwei Universitätskliniken gemeinsam geführt:
Anmeldung | Kontakt
Warnhinweise mit hohem Risiko (Red Flags)
Wichtig:
Wenn mehrere dieser Punkte gleichzeitig auftreten, sollte möglichst früh Unterstützung gesucht werden. Frühes Handeln verbessert die Behandlungschancen deutlich.
1. Deutliche oder schnelle Veränderungen des Gewichts
- Das Kind bzw. der/die Jugendliche nimmt innerhalb kurzer Zeit sichtbar an Gewicht ab oder zu (z.B. Kleidung passt nicht mehr).
- Untergewicht mit körperlichen Warnzeichen wie Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsproblemen, Ausbleiben der Menstruation.
2. Auffälligkeiten im Essverhalten
- Stark eingeschränktes Essverhalten: Mahlzeiten werden ausgelassen oder es wird nur noch eine sehr kleine Auswahl an Lebensmitteln gegessen.
- Heißhungeranfälle mit ungewöhnlich großen Essmengen und Kontrollverlust.
- Gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden oder abgebrochen.
3. Extreme Angst vor Gewichtszunahme
- Ständige Sorge „zu dick zu sein“, auch bei bereits sehr schlankem Körper.
- Gedanken und Gefühle werden stark durch die Themen Essen und Gewicht bestimmt.
- Häufiges Kalorienzählen oder Körperkontrollieren (z. B. im Spiegel).
4. Verhaltensweisen, um eine Gewichtszunahme zu verhindern
- Zwanghafte Bewegung oder Sport (das Kind “muss” täglich Sport machen oder bewegt sich ständig)
- Absichtliches Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln etc.
5. Soziale und emotionale Veränderungen
- Rückzug von Freunden oder Familie
- Reizbarkeit, depressive Stimmung oder starke Geheimhaltung rund ums Essen
Versorgungskonzepte – Ambulant, stationär, teilstationär
In unserem Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter haben wir das Ziel, Kinder und Jugendliche nur so lange wie notwendig aus ihrem sozialen Umfeld zu nehmen. Dennoch kann ein Klinikaufenthalt notwendig sein, um sowohl die somatischen als auch die psychischen Störungen behandeln zu können.
Wir bieten hierfür modernste erprobte Versorgungskonzepte auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft:
- Ambulante Termine in der Schwerpunktambulanz für Essstörungen
- Tagesklinische (teilstationäre) Behandlung, hierbei verbringen die Patient:inne die Nächte zu Hause
- Stationärer Aufenthalt
Wer behandelt?
Nach der Ersteinschätzung in unserem Zentrum beraten wir Sie und geben eine Empfehlung, ob wir Ihnen eine Behandlung in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie oder in der Psychosomatik der Universitätsklinik für Kinder und Jugendmedizin empfehlen. Ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung ist die körperliche Verfassung des Kindes bzw. des/der Jugendlichen.
Das Team im Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter am EvKB arbeitet fach- und berufsgruppenübergreifend. Es besteht aus:
- Psychotherapeutinnen und -therapeuten
- Fachärztinnen und -ärzten für Kinder- und Jugendmedizin und Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
- Fachkräften aus dem Pflege
- Fachkräften aus dem Erziehungsdienst
- Fachkräften aus der Ernährungsberatung
- Fachtherapeutinnen und -therapeuten aus den Bereichen Musiktherapie, Kunsttherapie, Ergotherapie, Heilpädagogik, Sport- und Bewegungstherapie
- Sozialpädagoginnen und -pädagogen
- Sozialarbeiterinnen und -arbeiter
- Lehrkräften
Als Team finden wir für unsere Patientinnen und Patienten für die richtige Therapie eine individuelle Lösung.
Wissenschaft und Forschung
Die Behandlung wird wissenschaftlich evaluiert. Neben den Forschungstätigkeiten innerhalb des Universitätsklinikums OWL der Universität Bielefeld bestehen Kooperationen mit weiteren Einrichtungen, die ausgeweitet werden.
Therapie bei Magersucht
Studienteilnehmer:innen gesucht
Betreuen Sie Kinder und Jugendliche, die an Magersucht erkrankt sind? In der FIAT-Studie möchten wir an Anorexia nervosa erkrankte Personen bei der Gesundung unterstützen und bieten dafür die Stationäre Multimodale Therapie und die telemedizinische Familien-Basierte Therapie an. Wir wollen untersuchen, ob die telemedizinische Familien-Basierte Therapie genauso wirksam ist wie die Stationäre Multimodale Therapie. Die Studie wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) gefördert.
Fakten
- Fachübergreifende Zusammenarbeit zweier Universitätskliniken
- Psychosomatische Behandlung
- Psychiatrische und Psychotheapeutische Behandlung
- Evidenz-basierte Therapie auf Grundlage der aktuellen Leitlinienempfehlungen
- Körperliche und seelische Begleiterkrankungen im Blick
Podcast
Innenwelt - Der Psychologie-Podcast von WDR5
Essstörungen erkennen und Hilfe finden
mit Univ.-Prof. Dr. med. Stefanie Horndasch

