menschlich. führend. kompetent.
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Um gefährlichen Delirien vorzubeugen oder sie zu behandeln bieten wir mit dem innovativen Programm help+ ein Plus für unsere älteren Patienten.

help+ Das Delir vermeiden

Herzlich willkommen!

"Zu Hause ist mein Angehöriger ganz anders!" Diesen Satz hören wir in unserem Klinikalltag immer wieder. Die Gefahr, dass Patienten während eines Krankenhausaufenthalts in einen akuten Verwirrtheitszustand geraten, ist gerade bei Hochaltrigen und bei solchen Patienten groß, die an einer Gedächtnisstörung leiden. Dieses sogenannte „Delir“ bleibt oftmals unerkannt. Früher als „Durchgangssysndrom“ verharmlost ist heute klar, dass ein Delir Risiken birgt. Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) hat als erstes Krankenhaus in Deutschland das Programm „help+“ eingeführt, das aktiv hilft Delirzustände zu vermeiden.

Ein Plus für ältere Patienten

Die vier Buchstaben help stehen für Hospital Elder Life Program, ein Programm zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Delirien. Prof. Sharon K. Inouye an der Yale University School of Medicine in den USA entwickelte diesen innovativen Ansatz, um die Krankenhausversorgung älterer Patienten zu verbessern.

Schätzungen zufolge erleiden etwa 25 Prozent der über 60-jährigen Patienten ein Delir. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Durch das help-Programm – so belegten mehrere Studien in den USA – entwickelten deutlich weniger Patienten Delirien, die Gesamtzahl der Delirien wurde kleiner und die Dauer kürzer, der Abbau von Alltagsfähigkeiten bei den älteren Patienten war wesentlich geringer.

Das help-Programm ist von Spezialisten im EvKB an das deutsche Gesundheitssystem angepasst worden und hilft mit großes Erfolg.
Davon profitieren im EvKB die Patienten.

help+ hat folgende Ziele:

  • Aufrechterhalten der geistigen (kognitiven) und körperlichen Fähigkeiten von älteren, durch Delir gefährdeten Menschen während ihres Krankenhausaufenthalts
  • Verbesserung der Selbständigkeit der Patienten bis hin zur Entlassung
  • Verbesserung der Versorgungssituation von älteren Patienten im Krankenhaus
  • Vermeidung von Delirien, Stürzen, Komplikationen während des Krankenhausaufenthalts
  • Vermeidung ungeplanter Wiederaufnahmen ins Krankenhaus

Um diese Ziele zu erreichen wird eine mehrteilige Strategie angewandt: Neben der spezifischen fachärztlichen Betreuung der Patienten auf den peripheren Stationen sieht help+ den Einsatz von Fachärzten für Neurologie sowie für Gerontopsychiatrie vor. Auch die Pflegeteams auf den Stationen werden von psychogeriatrisch ausgebildeten Pflegefachkräften in ihrer Arbeit unterstützt.


Das Programm setzt auf:

  • gezielte interdisziplinäre geriatrische (Delir-)Diagnostik
  • Schulung von Fachkräften in Delirprävention und –therapie
  • Einsatz von geschulten Freiwilligen

Der Einsatz Freiwilliger stärkt in täglichen Besuchen gefährdete ältere und hochbetagte Patienten in ihren Alltagsfähigkeiten. Dabei übernehmen sie keine pflegerischen Aufgaben, sondern helfen den die Patienten ganz individuell durch:

  • Aktivierung
  • Orientierung
  • Mobilisierung
  • Förderung der Sensorik
  • Entspannung und Unterstützung des Tag-/Nacht-Rhythmus‘

Beispielsweise helfen die Freiwilligen durch das Vorlesen aus der Tageszeitung, Kreuzworträtsel, Begleitung bei den Mahlzeiten, Bewegungsübungen oder Gespräche. Sie stellen ein großes Plus für die Patienten dar, als tägliche Ansprechpartner und somit wichtige Bezugspersonen während des Krankenhausaufenthalts. Markenzeichen der Freiwilligen aus dem help-Team sind ihre lila-farbenen Polohemden, mit denen sie auf den Stationen deutlich zu erkennen sind.

Der Begriff Delir stammt aus dem Lateinischen: De lira ire bedeutet soviel wie „aus der Spur geraten“. Das Delir ist ein Syndrom, das insbesondere bei älteren Menschen im Krankenhaus auftritt. Es führt bei ihnen häufig zu einer erheblichen Verschlechterung der Alltagsfähigkeiten, wird jedoch in vielen Fällen nicht diagnostiziert. Die Patienten zeigen ein plötzlich auftretendes, ungewöhnliches Verhalten und während Stunden bis Tagen sind Bewusstsein, Denken und Handeln verändert. Klassische Symptome sind beispielsweise:

  • Der Patient weiß plötzlich nicht mehr, wo er sich befindet oder warum er im Krankenhaus ist. Er ist akut - oder phasenweise - zeitlich und örtlich desorientiert.
  • Neues oder gerade erst Geschehenes und Gesagtes können sich Menschen mit Delir oft nicht merken und geben daher auf Fragen ungewöhnliche bis unpassende Antworten.
  • Die Betroffenen sind unkonzentriert und leicht ablenkbar.
  • Der Zustand der Patienten wechselt häufig, mal sind sie klar und orientiert, dann wieder stark verwirrt.
  • Zeitweise sind Patienten mit Delir unruhig, ärgerlich und streitbar. Andererseits sind sie oft eher niedergeschlagen, teilnahmslos oder ängstlich.
  • Manche Personen leiden unter Halluzinationen, das heißt sie sehen, hören oder riechen Dinge, die nicht existieren.
  • Besonders häufig kommt es zu einem umgekehrten Tag-Nacht-Rhythmus. Dann schlafen die Betroffenen tagsüber und sind in der Nacht hellwach und aktiv.

Die Symptome sind im Tagesverlauf mal stärker und mal weniger ausgeprägt. In der Regel lassen sie nach einigen Tagen oder Wochen nach.

Ein Delir entsteht nach aktueller Forschungslage durch das Zusammenwirken einer Reihe vorgelagerter Faktoren und einer akut auftretenden Beeinträchtigung von Organfunktionen.
Eine akute Verwirrtheit kann durch fast jede akute körperliche Erkrankung, aber auch durch Stress und psychische Belastung entstehen, besonders häufig jedoch durch:

  • Entzündungen und Infektionen
  • Verletzungen
  • nach Operationen/Narkosen
  • Stoffwechselstörungen (zum Beispiel bei eingeschränkter Nierentätigkeit)
  • Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel
  • Schmerzen
  • besondere psychische Belastungen und Stress (zum Beispiel durch die unvertraute Umgebung im Krankenhaus, die zahlreichen Untersuchungen, die vielen unbekannten Personen)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (Dies kann auch bei Medikamenten auftreten, die schon über lange Zeit eingenommen werden.)
  • Reizüberflutung (zum Beispiel viele Geräusche oder viele Menschen auf einmal)
  • Probleme, die durch Beeinträchtigungen im Bereich der Wahrnehmungen entstehen (zum Beispiel wenn der Patient seine Brille oder Hörgeräte nicht trägt)
  • Entzug von Rauschmitteln wie Nikotin und Alkohol oder auch von regelmäßig eingenommenen Medikamenten (zum Beispiel Schlafmittel)

All diese Faktoren können zu Beeinträchtigungen des Stoffwechsels im Gehirn führen. Durch diese kommt es dann zu Veränderungen des Bewusstseins, des Denkens und des Handelns.

Um ein Delir zu behandeln, gilt es die Faktoren zu erkennen, die das Delir ausgelöst haben und - falls möglich - diese zu beseitigen (zum Beispiel durch die Therapie einer infektiösen Erkrankung oder eines Flüssigkeitsmangels). Zudem sollten Stress auslösende Faktoren reduziert werden. Eine Behandlung mit Psychopharmaka sollte nur erfolgen, wenn das Delir eine vitale Gefährdung für den Patienten darstellt oder Symptome wie Wahn oder Halluzinationen auftreten. Wichtig sind insbesondere auch die oben genannten nichtmedikamentöse Interventionen.

Kontakt

Julia Bringemeier

Diplom-Gerontologin, help-Koordinatorin

Dr. med.

Dr. med.
Stefan Kreisel, M. Sc. Epidemiology

Ärztliche Leitung Abteilung für Gerontopsychiatrie

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