In der Juni-Ausgabe der Reihe „Klinikforum online“ des EvKB stand das Thema „Inkontinenz und Erektionsprobleme–Innovative Endoprothetik in der Urologie“ im Mittelpunkt. Darin sprach der Oberarzt der Klinik für Urologie und Kinder- und Jugendurologie Dr. Nenad Zivadinovic über die Ursachen und Folgen von Inkontinenz und Erektionsproblemen sowie darüber, welche Behandlungsmöglichkeiten es für Betroffene gibt.
Frauen und Männer von Inkontinenz betroffen
Inkontinenz und Impotenz seien nicht selten. Mit zunehmendem Alter steige die Anzahl an Erkrankungen. Dr. Nenad Zivadinovic betont, wie wichtig es ist, dass es mittlerweile ein größeres Bewusst sein für diese beiden Krankheitsbilder gibt. Er rät dazu, sich bei Problemen an einen Urologen oder eine Urologin zuwenden. „Die Probleme sind lösbar.“ Der Facharzt erklärt, dass mit Inkontinenz unwillkürlicher Urinverlust gemeint ist. Dieser betreffe Frauen und Männer gleichermaßen. Bei Frauen handele es sich in den meisten Fällen um eine sogenannte Belastungsinkontinenz, die zum Beispiel beim Lachen oder Niesen auftreten könne. Aber auch hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren oder mit dem Alter lockerer werdende Muskulatur könnten die Probleme verursachen. Gerade die Belastungsinkontinenz sei für viele Frauen eine Beeinträchtigung im Alltag.
Mehrstufige Therapieverfahren
Ihnen könnten schon Medikamente oder Beckenbodentraining helfen, die Beschwerden zu lindern. Tritt dadurch keine Besserung ein, kann ein kurzes Band, das der Facharzt im Stream zeigt, unter der Harnröhre eingesetzt werden. „Das ist ein risikoarmes Verfahren und die Patientinnen können die Klinik nach einem Tag beschwerdefrei verlassen.“ Das Verfahren gibt es natürlich auch für Männer mit Inkontinenz. Bei ihnen kann das Band nachjustiert werden, falls es nach einigen Jahren wieder zu Beschwerden kommen sollte. Bei Männern sei die häufigste Ursache für Inkontinenz eine Operation im Beckenbereich– insbesondere bei Eingriffen an der Prostata. Tritt bei ihnen eine ausgeprägte Inkontinenz auf, könne man eine Prothese einsetzen, einen künstlichen Schließmuskel.
Das System besteht aus einem druckregulierenden Ballon, der in den Bauch eingesetzt wird, einer Manschette, die um die Harnröhre platziert und einer kleinen Pumpe, die in den Hodensack eingesetzt wird. Durch Drücken der Pumpe öffnet sich die Manschette und Patienten haben dann 90 bis 100 Sekunden Zeit, die Blase zu entleeren. Der Vorgang ist wiederholbar und alles schließt sich automatisch. Im Stream zeigt der Facharzt die Funktionsweise im Detail. Moderne Technik für mehr Lebensqualität bei Impotenz. Dr. Nenad Zivadinovic erklärt, dass der Einsatz von Prothesen in der Urologie eine lange Tradition hat. „Natürlich ist alles moderner geworden und individueller auf die Bedürfnisse zugeschnitten“, sagt der Oberarzt. „Das Ziel ist, mit dem Einsatz die Lebensqualität zu verbessern.“ Dies gelinge auch mit Prothesen, die bei Impotenz eingesetzt werden. Der Impotenz könnten mehrere Ursachen zugrunde liegen: Diabetes, Bluthochdruck (Hypertonie) und Beckenoperationen. Insbesondere nach Prostataoperationen könne sich eine Impotenz einstellen. Auch hier bescheinigt Dr. Nenad Zivadinovic gute Behandlungschancen. Die Therapie sei individualisiert. Sollten Tabletten oder Spritzen nicht helfen, könne beispielsweise ein Schwellkörperimplantat eingesetzt werden. Auch dieses zeigt der Experte und erläutert seine Funktionsweise. Ein hydraulischer Mechanismus sorge für eine Erektion. Von außen sei die Prothese nicht sichtbar. „Man kann zum Beispiel ganz normal schwimmen gehen.“
Kompetente Beratung in der Sprechstunde
In der Klinik für Urologie und Kinder-und Jugendurologie des EvKB gibt es eine spezielle Sprechstunde, in der sich die Fachärztinnen und-ärzte mit den Themen Inkontinenz und Impotenz beschäftigen. „Mit einem Besuch können wir bereits die komplette Diagnostik abdecken“, erklärt Dr. Nenad Zivadinovic. Montags bis freitags jeweils von 8 bis 14 Uhr besteht die Möglichkeit, die ambulante Sprechstunde zu besuchen. Eine Anmeldung unter Tel.: 0521/77275320 sowie eine Einweisung eines niedergelassenen Arztes sind erforderlich. Im Stream widmet sich der Oberarzt noch weiteren Fragen rund um die beiden Themen. Beispielsweise erklärt er, wie die Operation der Prothesen verläuft, ob sie irgendwann ausgetauscht werden müssen oder ob Einschränkungen zu erwarten sind. Den Stream gibt es auf YouTube und Instagram unter @evkbethel.