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Mehr als 100 Teilnehmende beim KI-Symposium: Interdisziplinärer Austausch zu Zukunftsperspektiven der Medizin
Wie lassen sich konkrete Anwendungen Künstlicher Intelligenz sinnvoll in den medizinischen Alltag integrieren? Dieser Frage widmete sich das AVOR-Symposium „KI in der Medizin – Klinik X Data Science“, das auf großes Interesse stieß: Mehr als 100 Teilnehmende aus Medizin, Wissenschaft und IT diskutierten aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des KI-Einsatzes im Gesundheitswesen.
Gaben in Vorträgen wichtige Impulse über AI in der Medizin: (v.l. Dr. Rainer Borgstedt, Tanja Kirchner, Friedrich Schwarz, Dr. med. Jan Moritz Middeke, Jun.-Prof. Dr. med. Carolin Schneider, Thorsten Kaatze, Max Schüler, Prof. Dr. Florian Weißinger, Dr. Enver Aydilek
Das AVOR-Symposium ist eine Kooperation zwischen dem Start-up AVOR Medical Intelligence, dem Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) – Universitätsklinikum OWL und dem Göttingen Campus Institute. Die Veranstaltung richtete sich an Ärztinnen und Ärzte, Forschende, Data Scientists, IT-Fachkräfte im Gesundheitswesen sowie Studierende.
Neben wissenschaftlichen Fachvorträgen und Best Practice-Strategien stand außerdem der interdisziplinäre Austausch im Mittelpunkt. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem Klinikerinnen und Kliniker verschiedener Fachrichtungen gemeinsam mit Data Scientists an den Fragestellungen arbeiten, die im medizinischen Alltag tatsächlich relevant sind.
Prof. Dr. Florian Weißinger (1. v.l.) im angeregten Gespräch mit Max Schüler und Tanja Kirchner: Der interdisziplinäre Austausch und die Netzwerkarbeit zwischen Klinikerinnen und Klinikern und Data-Scientist standen neben den wissenschaftlichen Fachvorträgen und Best Practice Strategien im Mittelpunkt des Symposiums.
Die Themenpalette reichte von konkreten Anwendungen Künstlicher Intelligenz in der Behandlung von Krebserkrankungen und der pathologischen Befundung in der Hämatologie über eine schnellere und präzisere Diagnostik in der Epileptologie bis hin zur vorausschauenden Belegungsplanung in der Intensivmedizin und Anästhesiologie. Ebenso wurden ethische Fragestellungen sowie die Entwicklung einer zukunftsweisenden AI-Plattform am Beispiel des EvKB diskutiert, die über klassische Krankenhausinformationssysteme hinausgeht, indem sie sämtliche relevanten Patientendaten integriert. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung einer leistungsfähigen Cloud-Strategie hervorgehoben. Einen weiteren Ausblick gab es auf die Vision einer AI-gestützten intersektoralen Gesundheitsregion, die sektorübergreifende Versorgung und Datenvernetzung ermöglichen kann.
Im Rahmen des Symposiums wurden zentrale Erkenntnisse formuliert: KI-Systeme müssen sorgfältig trainiert werden und können ihr Potenzial nur entfalten, wenn klinische Prozesse vor der Einführung digital klar definiert und strukturiert sind. Ein weiterer Diskussionspunkt war der internationale Vergleich: Länder wie die USA verfügen aufgrund größerer Datenmengen derzeit über deutliche Vorteile bei der Entwicklung belastbarer KI-Modelle. Deutschland müsse hier aufholen, um verlässliche und aussagekräftige KI-Lösungen entwickeln zu können.
Deutlich wurde auch, dass Künstliche Intelligenz den medizinischen Berufsalltag tiefgreifend verändern wird. So wird erwartet, dass sich etwa die Arztbriefschreibung erheblich beschleunigt. Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zwischen Ärztinnen, Ärzten und Patientinnen sowie Patienten, da letztere zunehmend bereits vor dem Arztkontakt KI-gestützte Informationen zu Erkrankungen und Behandlungen erhalten.
Einigkeit herrschte darüber, dass KI insbesondere angesichts des Fachkräftemangels eine wichtige Ressource darstellt und gerade junge Ärztinnen und Ärzte in ihrer täglichen Arbeit unterstützen kann. Zugleich wurde betont, dass bei der Entwicklung medizinischer Datensätze und Kohorten die Aspekte der Gendermedizin konsequent berücksichtigt werden müssen.
Die Referentinnen und Referenten kamen aus verschiedenen wissenschaftlichen und klinischen Einrichtungen in ganz Deutschland. Zu ihnen zählten Max Schüler, Zahnarzt und Doktorand am Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin der Universität Witten/Herdecke, Friedrich Schwarz, MD, MSc, Doktorand am Göttingen Campus Institut für Dynamik biologischer Netzwerke (CIDBN) der Georg-August-Universität Göttingen sowie Prof. Dr. Philipp Cimiano, Leiter der Arbeitsgruppe Semantic Computing, und Dr. Christoph Düsing, Postdoktorand in derselben Arbeitsgruppe an der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld. Weitere Impulse setzten Jun.-Prof. Dr. Carolin Schneider von der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin der Uniklinik RWTH Aachen, Prof. Dr. Wolfram Klapper, Leiter der Sektion Hämatopathologie am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel sowie Dr. Jan Moritz Middeke, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Hämatologie, Zelltherapie und Medizinische Onkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Mit gleich fünf Referentinnen und Referenten war auch das Evangelische Klinikum Bethel stark vertreten: Thorsten Kaatze, Vorsitzender Geschäftsführer, Prof. Dr. Florian Weißinger, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie/Onkologie, Stammzelltransplantation und Palliativmedizin, Dr. Enver Aydilek, Leitender Oberarzt der Klinik, Dr. Rainer Borgstedt, Oberarzt und Gesamtbereichsleiter Intensivmedizin der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, Transfusionsmedizin und Schmerztherapie, sowie Tanja Kirchner, Leiterin der Stabsstelle Klinische Ethik und Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees.
Das Symposium machte deutlich: Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Medizin ist keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits heute ein entscheidender Baustein für eine effizientere, präzisere und patientenorientierte Gesundheitsversorgung. Entscheidend wird sein, die technologischen Möglichkeiten verantwortungsvoll, interdisziplinär und praxisnah weiterzuentwickeln.
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