Britta Haßelmann besucht Kinder- und Jugendpsychiatrie Bethel: „Es ist wichtig, dass belastete Kinder hier einen Ankerpunkt finden“
Der Bedarf an Unterstützung für psychisch belastete Kinder und Jugendliche steigt seit Jahren deutlich an – auch in Ostwestfalen-Lippe. Immer mehr junge Menschen sind insbesondere seit der Corona-Pandemie auf Hilfe angewiesen, während Anbieter von Kinder- und Jugendpsychiatrie gleichzeitig mit knappen Ressourcen und unsicheren finanziellen Perspektiven konfrontiert sind. „Jeder ambulante psychotherapeutische Platz, der wegfällt, erhöht das Risiko für stationäre Fälle“, warnte Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, vor den Folgen des Sozialabbaus.
Besuch in Bethel: 1. Reihe: Nicola Steininger | Therapeutische Leitung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | EvKB, Univ.-Prof. Dr. Stefanie Horndasch | Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | EvKB, Christina Osei | MdL und Ratsmitglied Bielefeld | Bündnis 90/Die Grünen, Britta Haßelmann | MdB, Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion | Bündnis 90/Die Grünen, Romy Mamerow | Co-Vorsitzende Ratsfraktion Bielefeld | Bündnis 90/Die Grünen, Kerstin Busch | Bezirksbürgermeisterin Gadderbaum| Bündnis 90/Die Grünen, 2. Reihe: EvKB, Jutta Dörscheln, Pflegerische Leitung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie |EvKB, Joachim Hood | Vorstand Ratsfraktion Bielefeld | Bündnis 90/Die Grünen, Thorsten Kaatze | Vorsitzender Geschäftsführer | EvKB, Pastor Dr. Bartolt Haase | Vorstandsvorsitzender | v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel. Foto: Manuel Bünemann
Vor diesem Hintergrund besuchte Haßelmann zusammen mit Parteikolleginnen und Kollegen aus der Landes- und Kommunalpolitik die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, um sich persönlich mit Ärztinnen, Therapeuten und Pflegekräften auszutauschen. Univ.-Prof. Dr. Stefanie Horndasch, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Ev. Klinikum Bethel (EvKB), zeigte auf, wie drängend das gesellschaftliche Problem ist: „Suizidale Krisen nehmen zu, es gibt mehr Kinder und Jugendliche mit stark selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten."
Die KJPP in Bethel verfügt derzeit über 27 stationäre Betten für Kinder- und Jugendliche, 8 davon als Akutstation. 18 tagesklinische Plätze und eine Psychiatrische Institutsambulanz ergänzen das Hilfsangebot. Das Spektrum der psychischen Belastungen der jungen Menschen reicht von Depressionen und Angststörungen, über Traumafolgen und Essstörungen, bis zu ADHS, Suchterkrankungen und hochrisikoreichem Verhalten. 312 Fälle wurden allein 2025 stationär aufgenommen und 128 teilstationär. „Die Wartezeit für einen stationären Platz beträgt inzwischen aber mehrere Monate“, so Univ.-Prof. Dr. Stefanie Horndasch.
Nicht selten führen unbehandelte psychische Belastungen zu langen Schulabstinenzen der Betroffenen. „Wir haben Kinder, die ein, zwei oder sogar drei Jahre keinen Schulunterricht besuchen konnten“, berichtete Univ.-Prof. Dr. Stefanie Horndasch. Patientinnen und Patienten, die in der KJPP Bethel stationär betreut werden, erhalten jeden Tag Unterricht im Haus durch die angeschlossene Dothanschule. „Es ist schockierend, wenn ein Kind durch alle Roste fällt. Es ist gut und wichtig, dass belastete Kinder hier einen Ankerpunkt finden“, sagte Britta Haßelmann.
Anna Katharina Dimas (r.) erklärt Britta Haßelmann den neu entwickelten Portion-o-mat, an dem Kinder gesunde Portionsgrößen erlernen können. Foto: Johann Vollmer
Einen besonderen Schwerpunkt legt die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bethel auf das Thema Essstörungen. Ob Magersucht, Bulimie oder Essattacken – wichtig ist, dass Betroffene über die
Therapieangebote selbst eine Wahrnehmung ihres Essverhaltens bekommen. Sport-, Kunst und Musiktherapie, Ernährungsberatung und Ergotherapie können helfen, dass sich die jungen Menschen langsam öffnen und mit ihrem Thema auseinandersetzen. „Doch viele unserer Therapieangebote werden nicht vergütet, gehören aber zur Versorgung dazu“, betonte Thorsten Kaatze, Vorsitzender Geschäftsführer des EvKB.
Umso mehr ist Bethel auf die Unterstützung von Spenderinnen und Spender sowie die Kreativität der Mitarbeitenden angewiesen. Eine neue Errungenschaft in der KJPP ist der selbst entwickelte „Portion-o-mat“, an dem betroffene Kinder digital visualisiert ihre richtigen Portionsgrößen auf dem Teller bestimmen können. „Das ist sehr liebevoll gemacht und ermöglicht eine spielerische Annäherung“, lobte Britta Haßelmann nach einem Selbstversuch das innovative Modell und die Mitarbeitenden für ihr tägliches Engagement: „Ich bin Sozialarbeiterin von Beruf, darum war mir der Einblick ein Bedürfnis. Vielen Dank für Ihre wichtige Arbeit.“
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
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