Kinder- und Jugendgesundheit: Neues interdisziplinäres Zentrum für Essstörungen am EvKB
Mit dem neuen Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter erweitert das EvKB – Evangelisches Klinikum Bethel – sein Versorgungsangebot für die Kinder- und Jugendgesundheit deutlich. Neben der stationären Behandlung stehen nun auch ambulante und teilstationäre Therapieformen zur Verfügung. Ziel ist es, betroffenen Kindern und Jugendlichen schneller und individueller helfen zu können. Das Angebot ist in dieser Art einzigartig in Ostwestfalen Lippe.
Präsentieren das neue Zentrum für Essstörungen: Univ.-Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Univ.-Prof. Dr. Stefanie Horndasch, Inga Knipschild und Thorsten Kaatze (v. l.). Foto: Mario Haase
Ob Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder vermeidend-restriktive Essstörungen – bei Kindern und Jugendlichen nehmen Essstörungen seit Jahren zu. Studien zeigen, dass mehr als 20 Prozent der jungen Menschen ein gestörtes Essverhalten entwickeln. Besonders seit der COVID-19-Pandemie ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Auch regional ist die Entwicklung alarmierend: In Ostwestfalen-Lippe liegen die Fallzahlen teils deutlich über dem Durchschnitt, gleichzeitig sind Therapieplätze vielerorts knapp und mit langen Wartezeiten verbunden.
Das neue Zentrum am EvKB reagiert gezielt auf diesen wachsenden Bedarf: „Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen wollen wir betroffenen Familien mit unserem neuen Zentrum ein umfassendes Hilfsangebot bieten “, erklärt Thorsten Kaatze, Vorsitzender Geschäftsführer des EvKB. Durch die enge Zusammenarbeit der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sowie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin entsteht eine interdisziplinäre Versorgungsstruktur. In dem neuen Zentrum arbeiten die Teams der beiden Kliniken berufsgruppenübergreifend zusammen. Sie stimmen sich in regelmäßigen Fallkonferenzen über die individuell beste Behandlung ab. Neben einer spezialisierten Essstörungs-Ambulanz für betroffene Familien sind je nach Schweregrad der Erkrankung ambulant, teilstationär, tagesklinisch oder stationär Behandlungsmöglichkeiten gegeben und eng miteinander vernetzt.
„Damit können wir künftig nicht nur sehr schwere Fälle aufnehmen, sondern auch Patienten in frühen Stadien behandeln und so schwerere Verläufe verhindern“, sagt Univ.-Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin. Denn Magersucht weise eine der höchsten Sterblichkeitsraten unter den psychischen Erkrankungen auf. Sie gingen neben körperlichen Folgen häufig bei Essstörungen einher – beispielsweise in Form von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen.
Neben der Ergänzung der ambulanten und teilstationären Möglichkeiten in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie spiele außerdem die Verdopplung der Bettenkapazität auf der psychosomatischen Station der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin eine entscheidende Rolle. Thorsten Kaatze: „Die Wartezeiten für einen Therapieplatz reduzieren sich von rund zehn Monaten auf circa sechs Wochen.“
Die Ursachen für Essstörungen sind vielfältig. Neben individuellen Faktoren spielen auch gesellschaftliche Einflüsse eine Rolle. „Hier kommt es vor, dass bestimmte Körperbilder propagiert und Essstörungen, besonders die Anorexie, die Magersucht, verherrlicht werden“, sagt Univ.-Prof.in Dr. Stefanie Horndasch, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Besonders betroffen seien häufig Mädchen und junge Frauen.
Ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzepts ist die enge Einbindung der Familien – und somit auch der Eltern. „Sie stehen häufig unter großem Druck und entwickeln Schuldgefühle. Es geht hier auch darum, ihnen diese zu nehmen und sie eng mit einzubinden“, betont Inga Knipschild, Leitende Psychologin der Kinderklinik. Gemeinsame Mahlzeiten im therapeutischen Setting helfen dabei, Konfliktsituationen aus dem Alltag zu bearbeiten und die Rückkehr in ein stabiles familiäres Umfeld zu unterstützen.
Darüber hinaus ermöglicht das neue Zentrum eine kontinuierliche Begleitung auch nach einer stationären oder teilstationären Behandlung. So sollen Rückfälle vermieden und langfristige Therapieerfolge gesichert werden. Das Zentrum ist mit Partnern der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Beratungsstellen und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten vernetzt. Die Zusammenarbeit der Teams der Universitätskliniken steht für Versorgungskonzepte auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und ermöglicht die Teilnahme an Studien.
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